BEWERTEN
 

MJ Cole

»Sincere«

[Edel / VÖ: 14.08.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Die Tanzmusik der Zukunft? Die Zukunft der Tanzmusik? Der gerade mal 26-jährige Matt Coleman a.k.a. MJ Cole jedenfalls legt jetzt das meines Wissens erste 2Step-Garage-Künstleralbum vor, das hier zu Lande nicht wie allgemein erwartet bei Talkin Loud erscheint, sondern beim Minimajor Edel, da dort jemand einen alten Albumdeal mit Cole aus der Schublade zog. Die Platte ist eine charmante, gut gelaunte, anschmiegsame Sammlung von 2Step-Liedern statt nur Tanzflur-Tools. Denn Cole rippt nicht einfach, wie viele Kollegen, Vocals und pumpt diese mit fetten Analogbässen und Snare-Synkopen auf, sondern sportet musikalische Substanz, Verständnis für Songwriting und Popgefühl.

Was kein Wunder ist, denn der Mann hat klassische Musik und Clubbing gleichermaßen studiert (“Ich hörte Ray Keith und Randall und bin am nächsten Tag Schubert spielen gegangen”) und war als Studioingenieur bei S.O.U.R., Emotif und Botchit & Scarper beschäftigt. So benutzt er bei den 16 Stücken von “Sincere” gerne klassische Instrumente, scheut auch vor Downbeat nicht zurück (“Strung Out”), geht bei “Rough Out Here” ganz nah ran an Sly & The Family Stone und Philly Soul und bei “Slum King” an Roger Troutman und Zapp. Cole lässt R’n’B-affine Balladen direkt neben tanzbodenharten Krachern samt schnatterndem MC und rohen Bässen stehen. Er weiß ganz genau, woher er kommt und wem er alles zu verdanken hat, darum gibt er dicke Props raus an Pirate-Radio-Sender (“MJ FM”) und das Partyvolk. Dabei hilft ihm eine Horde Vokalisten, unter ihnen Elisabeth Troy (sang 1995 mit Soundman “Greater Love”) und MC Danny Vicious aus dem Blak Twang-Umfeld. So hat 2Step-Garage auch bei Cole alles, was man zum Glücklich-Sein so braucht (gebrochene Beats, euphorisches MCing, dicke Bässe und Gesang), und löst mit seiner Unbekümmertheit das ein, was Drum’n’Bass verloren gegangen ist. Perfekter Pop, der passender ist für die Park-Party am lauen Sommerabend als Brutalo-D’n’B. Jedenfalls mehr als nur ein London-Hype - eine überzeugende Skizze für die Zukunft der Tanzmusik. Glücklich:



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