BEWERTEN
 

Thomas Groetz

»Doris als Musikerin: Die Tödliche Doris. Band 2«

[Martin Schmitz Verlag, 200 S., DM 28,-]

Text: Markus Weckesser

Als der letzte Band erschien, der dem Aspekt der bildenden Kunst im Werk von Die Tödliche Doris gewidmet ist, wurde an dieser Stelle gemäkelt, dass es sich lediglich um eine dokumentarische Auflistung handele. Mit dieser Untersuchung wird genau das Gegenteil erzielt. Thomas Groetz geht das Thema mit höchster akademischer Präzision und Korrektheit an. Chronologisch werden alle musikalischen Veröffentlichungen analysiert. Und zwar nicht nur das reine Tonmaterial, sondern auch deren ästhetische Präsentation. So werden Cover und Flyer ebenso wie Bühnenkostüme und -dekorationen im gesamtkünstlerischen Kontext verhandelt.

Groetz, der als Kunsthistoriker und -kritiker arbeitet (u. a. für art), hat sich in seiner Dissertation mit deutscher Punk-Musik und dem Schaffen von Joseph Beuys beschäftigt. Jede These ist nachvollziehbar, wenngleich einige Schlussfolgerungen manchmal sehr fantastisch klingen. Unfreiwillig. Ein Effekt, wie ihn wohl auch die Kommentare der Carl Barks Library hervorrufen. Wer sich in den 80er Jahren an Platten wie “Unser Debüt” erfreute, wird vermutlich keine Gedanken an das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft verschwendet haben. Doch das wurde von Doris thematisiert: die Dialektik von Vorhandenem und Nichtvorhandenem, Identität, Tod und Geschlechtlichkeit. Die Abhandlung verortet das Berliner Multimedia-Trio zwischen Punk-Musik und Malerei der End-70er sowie dem Neokonzeptionalismus der späten 80er Jahre. Späte wissenschaftliche Beachtung der “Genialen Dilettanten” (sic!), deren musikalisches Gesamtwerk sich unter www.die-toedliche-doris.de als MP3 – kostenlos und legal! - herunterladen lässt.



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aus Intro #77 (September 2000)
 
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