BEWERTEN
 

Artist Unknown

»Future«

[Disko B / EFA / VÖ: 11.09.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Als zum Ende der 90er das große 80s-Revival proklamiert wurde, lautete mein innerer Monolog: “Wohlan, wenn sich’s nur auf die 80er vor der Live-Aid-Zäsur bezieht.” Bis auf ein paar Einzelstimmen - DMX Krew, Sexus, Laptop, Nancy Boy, Minty, letzthin Bis (halbherzig), Chicks On Speed, ein hübscher Song von IF - und haufenweise Wiedergänger - Gary Numan, ABC, The Human League, Kraftwerk, A-Ha, Duran Duran, angeblich bald Soft Cell - passierte indes nicht viel in Richtung fröhliche Urständ. Artist Unknown, angeblich zu bekannt, als dass nicht ehrfurchtsvolles Raunen die gebührende Aufmerksamkeit für ihr musikalisches Projekt zu einer geteilten werden ließe, weshalb sie etwas dümmlich ausschauende Masken tragen, ficht das nicht an.

Wenn sie ihr Debüt “Future” nennen, dann ist das die Zukunft, wie man sie sich zwischen 1975 und ‘82, zwischen Angst vorm Versinken in anonymen Computerwelten und Euphorie mäandernd, im Land von König Roland und Prinzessin Yamaha vorstellte, ein klassischer Fall von Retro-Futurismus also. Alle, die an Neophilie leiden, können die Lektüre hier abbrechen. Im Gegensatz zur Identität von Artist Unknown scheinen mir die Plattensammlungen der beiden kaum Rätsel aufzugeben. Sie enthalten gewiss: Human League (deren “Gordon’s Gin” paraphrasiert und tantiemenlos auf “Düsseldorf” - falsche Fährte! - aufersteht), John Foxx (“Metamatic”), Telex, Dopplereffekt, Boytronic (“The Working Model”), Logic System, Die Krupps (“Volle Kraft Voraus!”), Thomas Leer, Bal Paré, natürlich Der Plan, vielleicht die rare LP von Die Gesunden und die noch rareren Samplerbeiträge von Nine Circles, wer weiß. Ach ja, und die Platte von The Lucy Show, auf der sich das große “The Twister” befindet, auch, denn das scheint mir - neben dem gepressten Human League-Gesinge - die, um mich vorsichtig auszudrücken, Inspiration für die wabernden Synthiefluten von “Anthem” zu sein. Sehr dark, gelegentlich dräuend dahervocodernd und tanzbar, aber auch listening-geeignet, das alles ohne den ridikulösen Ernst des jüngsten Anthony Rother-Albums und ohne den haarsträubenden Kraftwerk-Klau einer Band wie Komputer. Wenn’s nicht mehr sein will als eine Eighties-Synth-Hommage (z. B. Kunst oder so), dann sage ich: gelungen.



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