BEWERTEN
 

X-MEN

»USA 2000«

[R: Bryan Singer; D: Patrick Stewart, Hugh Jackman, Ian McKellen u. a.; 31.08.]

Text: Autor unbekannt

Häh, häh, die dachten wohl, sie hätten es voll drauf. Wir waren aber schlauer, mein Kumpel Dave und ich. Die Sache war nämlich so: Da kam mir also diese exklusive Presse-Einladung ins Haus, in einer Abend-Veranstaltung die einmalige Vorab-Vorführung des verfilmten Comic-Sci-Fi-Abenteuers “X-Men” zu begutachten. Eigentlich geschenkt, interessiert mich doch ‘n Scheiß. Kleingedruckt stand da aber auch noch: “Vor dem Film möchten wir Sie gerne zu einem Cocktail einladen.” Raffiniert ausgedacht, das. Einfach die Kritiker abfüllen, damit sie das Teil auch garantiert gut finden. Aus rein journalistischer Sicht wurde es an diesem Punkt interessant, logo, von wegen Wahrung der Berufsethik, Objektivität, Unabhängigkeit der Presse und so.

Ich also Dave angerufen, denn solo saufen schockt nicht, und nix wie hin. Ihn an der Kontrolle vorbeizuschleusen war ein Kinderspiel. In den zwanzig Minuten bis Filmbeginn schafften wir drei Caipirinhas, was ‘ne zufrieden stellende Quote ist. Voll tricky: die zwei Strohhalme an jedem Drink waren in X-Form angebracht! Was anderes gab’s leider nicht. Bier musste man sogar löhnen, echt übel. Dann ging’s los. Wir mit ‘nem doppelten Caipi im Plastikbecher ab in die Kampfarena und voll neutral das Movie geguckt. Die Leinwand war voll mit so komischen Mutanten, die konnten fies die Krallen ausfahren, sich Energie aus dem Körper saugen und so’n Kram. Die einen, die X-Men, waren gut (mit Captain Picard aus Raumschiff Enterprise an der Spitze) und immer bemüht, ihre Kindheitstraumata zu kurieren und ihre verborgenen Kräfte zu entdecken. Und dann gab’s die Bösen, so schrecklich harte Jungs. Ich glaube, die wollten die Welt beherrschen. Weiß ich nicht mehr so genau und Dave hat das leider auch vergessen. Dass das alles recht langatmig war, erinnern wir aber genau. Viel zu viel Gelaber, zu wenig Äction und Späschäl-Effects. Die Guten haben dann doch noch gewonnen. Wären wir vorher nie drauf gekommen. Fazit: So blau, um diesen Kram gut zu finden, waren wir noch lange nicht. Das klappte erst mit den VIP-Pässen beim anschließenden Celia Cruz-Konzert. Die Salsa-Königin trifft mit ihren 132 Jahren zwar nicht mehr jeden Ton, aber dafür war auch das Bier umsonst. Voll cool, die Celia.



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aus Intro #77 (September 2000)
 
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