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Sigur Rós

»Ny Batteri«

[Fat Cat / EFA / VÖ: 17.02.2006 ]

Text: Autor unbekannt

Ein Bild: Eingefroren, eingeschlossen sein unter der Eisdecke eines winterlichen Gebirgssees, im eiskalten Wasser gleichzeitig ersticken und erfrieren müssen und in den letzten Momenten noch halbwegs klaren Bewußtseins von unten durchs Eis die Schönheit der Sonne blitzen sehen, beide Handflächen, mit diesen danach greifen wollend, festgepreßt an die Unterseite des Eises. Eine Platte: „Ny Batterí“. Keine Platte - ein Tempel! Das Licht bricht sich im Eis. Die Schönheit sei des Schrecklichen Anfang, schrieb Rilke, und Sigur Rós aus Island verlagern das gemeinsame denkbare Koordinatennetz von Mogwai, Godspeed You Black Emperor!, Talk Talk, David Sylvian („Brilliant Trees“), Rain Tree Crow, Björk und Wagner in ein sakrales Pleistozän, um dort, mit einem warmen Herzen inmitten des musikalischen Gletscherblaus, das elegische Zelebrieren des Miteinanders von Wehmut, Schmerz und Schönheit zu verorten.

Vielleicht funktionieren Sigur Rós wie ein Kryometer, ein Instrument zur Messung tiefster Temperaturen nämlich. Oder sind, wie der auf einem Auge blind geborene Sänger-Gitarrist Jón Por Birgissom glaubt, ein Instrument Gottes. Fuck, wer auch immer bewahre uns vor der Schönheit eines solchen Gottes. „Manchmal kann ich nach einem Auftritt nicht mehr sprechen. Wir sind sehr emotionale Menschen“, so Gitarrist und Keyboarder Kjartan Sveinson, er selbst mit 14 schon ein schwerer Trinker, der daraufhin eine Phase tiefer Religiosität durchlief, dann kam die Erfüllung dieser existentiellen Suchbewegung in der Musik. Wer „Ny Batterí“ hört, der versteht. In nur wenigen Momenten wird der Eindruck der bewegenden Größe dieser 4-Track-EP durch eine - heute schon fast wieder frisch anmutendende - etwas hippiesk-altbacken-handgemachte Artrock-Mystik leicht gebrochen. Trotzdem. Wenn man so will: Mogwai mit Wikingerhelmen. Oder: Godspeed You Black Emperor! in Diensten Ragnaröks. Geblendet wenden wir den Blick. Hype, hope and home of music in 2000.



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aus Intro #75 (Juni 2000)
 
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