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»Ravenous«

[USA 1999, R: Antonia Bird; D: Guy Pearce, Robert Carlyle, David Arquette, Jeremy Davies, Jeffrey Jo]

Text: Autor unbekannt

Noch so ein Film mit geflopptem Minimal-Kinostart unterhalb der Wahrnehmungsgrenze der meisten Kinogänger. Dabei ist Regisseurin Antonia Bird, die bisher mit wenig bemerkenswerten Filmen wie \"Face\" oder \"Mad Love\" in Erscheinung trat, ein erstaunlich grimmiger, schwarzhumoriger Horrorfilm über Kannibalismus mit extrem realer Dimension und einigen sehr mystischen Überlegungen zur Reproduzierbarkeit der menschlichen Seele gelungen. Als historische Grundlage diente Drehbuchautor Ted Griffin das sogenannte \"Donner Pass Disaster\" von 1846. Das äußerst makabere Ereignis inspirierte übrigens einige Jährchen zuvor auch schon \"South Park\"-Macher Trey Parker zu seinem \"Cannibal: The Musical\".

Captain John Boyd, ein eher unfreiwilliger Kriegsheld, wird im Jahre 1847 als Dank für sein nicht ganz astreines Heldentum zu einem einsamen Außenposten in der Wildnis der Sierra Nevada strafversetzt. Dort taucht irgendwann ein Mann namens Colqhoun auf, einziger Überlebender einer von einem Schneesturm überraschten Gruppe von Siedlern auf dem Weg nach Kalifornien, die sich schließlich - in Ermangelung anderer Nahrungsmittel - gegenseitig zu verspeisen begannen. Der losgeschickte Rettungstrupp sieht sich schließlich mit der grausamen Tatsache konfrontiert, daß Colqhoun nicht der ist, der er zu sein vorgibt.
Rund um den indianischen Aberglauben, daß wer das Fleisch der Toten ißt, deren Stärke und Macht erbt, heißt das Hauptmotto von Birds erfrischend blutrünstiger Kannibalimus-Parabel, die mal wieder anschaulich zeigt, wie ähnlich der Mensch dem Tier doch ist: \"Friß oder stirb\". Aber auch abseits philosophischer Überlegungen zur Beschaffenheit menschlicher Persönlichkeit funktioniert \"Ravenous\" hinsichtlich seines Unterhaltungswertes ganz prächtig: eine schöne Mischung aus Italowestern und klassischem Abenteuerfilm plus der bereits angesprochenen Horror-Motive, unterlegt vom brillanten Soundtrack des Gespanns Michael Nyman und Damon Albarn.



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