BEWERTEN
 

Ted Milton & Loopspool

»Sublime«

[Charizma / Hausmusik]

Text: Autor unbekannt

London trifft Weilheim/Landsberg per Briefkasten. Ted Milton, kultiger Früh-Achtziger-Held, der mit seiner Band Blurt sperrigen New Wave produzierte, läßt hier seine seltsamen Lyrics und experimentelles Saxophonspiel auf die Rhythmusarbeit von Tied & Tickleds Andreas Gerth (a.k.a. Loopspool) treffen. Was scheinbar als harmlose Sonntagsnachmittags-Beschäftigung zwischen befreundeten Musikern begann, die über die Distanz Tapes austauschten und begeistert Schichten um Schichten hinzufügten, ist nun zum veröffentlichungsreifen Projekt geworden. Sperrig zwar, weil in seiner Grundstimmung doch sehr melancholisch, sparsam und zerrissen, aber am Ende dann doch in halbwegs wiedererkennbare Song-Formate gepackt.

Miltons Texte und dunkler Sprechgesang vermitteln zwischen desillusioniertem Bar-Sound und Croonertum, das man vor einem anderen musikalischen Hintergrund, vielleicht noch etwas glamouröser, zuletzt von Louie Austen gehört hat und in den Tagebuch-Lyrics von Charles Curtis oder existentialistischem Hip Hop. Unterstützt von Couch-Bassist Michael Heilrath, gesellt sich dazu ein sehr zurückgenommener, meist entspannter und leicht dubbig-düsterer Soundhintergrund, der zwar nicht den Detailreichtum und die Komplexität des Tied & Tickled Trios erreicht, dafür aber ganz andere, eher morbide Qualitäten erfüllt. Kein unbedingt leichtes Album, aber eins, dem man die innere Spannung der Ansätze der beteiligten Künstler deutlich anmerkt.



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aus Intro #74 (Mai 2000)
 
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