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»L7 / She-Male-Trouble«
[23.03. - Berlin, Columbiafritz]
Text: Autor unbekannt
Macht man sich aus der neuen Mitte Berlins auf zum Columbiafritz, so entsteigt man dem Untergrund am Platz der Luftbrücke, um zunächst via Monument daran erinnert zu werden, wie gut das Leben zu Tempelhof im Schatten von Freiheit, Blockschokolade und Hungerharke einst gedieh, und sodann einige Schritte weiter von einer ebenfalls aus den Staaten eingeflogenen Gruppierung unterhalten zu werden. Einer Gruppe junger Frauen allerdings, welche sich durchaus lauterere Absichten als die Verteidigung der freien Welt auf die Fahnen geschrieben hat, vielmehr geben uns L7 den altbewährten Schlampenheavyrock. Ja, isses denn ein Wunder? In kühlem Blaulicht gehalten, präsentieren sich Donita Sparks und Suzi Gardner zunächst fertiger denn fertig, kurz das Becks an den Hals, Gitarre eingeklinkt, und los geht's gleich mit der Geschichte des Jungen mit dem langen blonden Haar namens \"Andre\".
Sorry. Der Vierer fährt einen veritablen Soundbrei auf mächtiger Lautstärke zusammen, der die Erschienenen begeistert, obwohl dem dargebotenen Liedgut mehrheitlich kompositorische und instrumentale Könnerschaft abgesprochen werden darf. Mit Dee Plakas staksigem Schlagzeuggehaue ist in diesem Leben einfach kein Groove mehr hinzubekommen, und auch wenn Donita großkotzig Tempo ankündigt, bleibt die Angelegenheit gelassen und gemächlich. Eben dafür haben sich die Leute auf den Weg gemacht und lassen die Leiber mächtig zucken, gute Laune allerorten. Den attestierenswerten dicken Bonus fahren die Frontfrauen mit ihrem Gesang ein. Warum auch immer zwei Menschen, die so ähnliche Stimmen haben, unbedingt zusammen singen müssen, aber sie kommen vollmundig-melodisch rüber. So geraten Songs leibhaftig unterhaltsam, denen man ob ihrer Studiofassungen so Gutes nie nachgesagt hätte. Jetzt bekommen sie auch hübscheres, rotes Licht inne Fressen, die Guten. Die Backings von Dee und der neuen Bassistin Janis sitzen wie eine Eins, letztere wirbelt das pomadige Rockgepose am Bühnenrand leidlich durcheinander und schwingt die Matte, als wäre Heavy Metal immer noch Gesetz. Es folgen einige abgefeierte Gassenhauer aus vergangenen Tagen und etliche Brocken Deutsch für Rocker mit guter Laune - so wird es doch noch ein ganz passabler Abend in Tempelhof. Was auch mit dem lokalen Support zu tun hatte: She-Male-Trouble sind aufgrund eines Komplettaustauschs an den Instrumenten zu einer spielerisch beschlagenen Einheit gewachsen, die mit Leichtigkeit einen viel transparenteren und dynamischeren Sound als der Hauptact aus den Boxen zauberte, auch wenn der überwiegend zum Melodycorepunkrockschrubben benutzt wurde. An der Sängerin wird sich der Weg des Acts entscheiden, diese beklagte eine Erkältung; sie weiß, was sie tut. Wie Donita, Suzi, Dee und Janis. Und die freie Welt, selbstredend.
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