BEWERTEN
 

Chris Whitley

»At Martyrs«

[Ulftone / Edel Contraire / Connected / VÖ: 14.02.2000 ]

Text: Autor unbekannt

In 80 Tagen um die Welt. Around the world in a day. Alles viel zu kurzfristig für Chris Whitley, der neulich wegen 20monatiger (!) Welttournee dreimal hintereinander um den Globus kam. Analog. Superanalog. Solo, ein Mann und seine Klampfe, trockener Schweiß. Er hat es nicht mit Buttercreme - Ornamente entstehen eher nebenher. Dieser Lage Lieder, live mitgeschnitten im Chicagoer Martyrs, einem seiner favorisierten Auftrittsorte, aufrichtig und gleichzeitig gänzlich unberührt zu begegnen scheint fast unmöglich. \"Dollars über alles\", sagt er seine brüchige, verächtliche Version von Kraftwerks \"Model\" an - ein müdes verbales Abwinken an den Mammon und beinah alles irdische Hab und Gut: DIESES Lied haben Hütter, Schult und Bartos NICHT geschrieben! \"Home Is Where You Get Across\", singt Chris das Lied des fahrenden family man, gewidmet seiner Tochter Trixie, und kaum daß du die enstprechende Ansage gehört hast, bereit, in Erwartung liedermacherischer Schmusigkeit wie gewohnt die Augen zu verdrehen, erwischt Dich die Slide-Gitarre, die Energie, die pure, unmittelbare Kraft, aus der sich Virtuosität entfaltet.

Und nicht umgekehrt. Ehrliches Gefühl, praktisch das ganze Spektrum, statt Duselei. Chris steht Rücken an Rücken mit seiner Wut, und dreht sie sich zu ihm um, weint er sie kräftig an. Ein Teufelskerl.



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