BEWERTEN
 

Fred Frith / Ensemble Modern

»Traffic Continues«

[Winter & Winter / Edel Contraire / Connected / VÖ: 31.01.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Traffic = Verkehr = Bewegung = Leben. Eine Gleichung, die aufgeht, wenn auch nicht als lineare. Man ist ja nicht allein auf der Welt. Individuelle Vergänglichkeit und: das Leben geht weiter. Regeln und ihre Mäßigkeit. Als 1998 sein Freund und langjähriger musikalischer Mitstreiter Tom Cora starb, begann Fred Frith, sich über die Möglichkeiten einer musikalischen Darstellung solcher Zusammenhänge Gedanken zu machen, und komponierte um gesamplete Fragmente von Coras Cellospiel herum das 13teilige Requiem \"Traffic Continues II: Gusto (For Tom Cora)\". Daß die Umsetzung dieses Konzeptes weder zu reiner Mathematik noch zu exzessiver öffentlicher Zurschaustellung persönlicher Trauerarbeit gerät, ist - neben der Mitarbeit von E-Harfenistin Zeena Parkins und Schlagzeugerin Ikue Mori (beide musikalische Weggefährten von sowohl Frith als auch Cora) - nicht zuletzt dem großartigen Ensemble Modern zuzuschreiben.

Dieses Orchester, das von neuzeitlichen Genossen wie Nancarro und Zappa über Stravinsky bis Gershwin spielt, was und wie es ihm gefällt, agiert einmal mehr mit der lustbetonten Unmittelbarkeit einer BAND. Und bildet deutlicher denn je die Konturen und tonalen Bewegungen des Komponisten Frith ab: Texturen, die geradewegs durchs Fenster langsam ins Zimmer zu wachsen scheinen. Moll-gedämmte doppelte Böden. Überkippende Saxophone, Streicher zwischen Lamento und Suspense, gickelnde Klarinetten. Die Frith-typischen seltsam tanzenden Folklorismen, die sitzen, aufstehen, über krumme Takte fallen und sich gegenseitig wieder aufsammeln. Die emotionalen Kräfte sind erheblich, auch im ersten Teil von \"Traffic Continues\", dessen Konzeption sich zunächst noch wesentlich konstruierter, wie eine Versuchsanordnung, ausnimmt: Zellen streng durchkomponierter Musik, deren Einsatz und Reihenfolge der Dirigent bestimmt, werden an die Instrumentalisten verteilt, können aber jederzeit von spontanen Beiträgen eigens dafür bestimmter Musiker, den \"wild cards\", gebrochen werden. Ergebnis: organisch. Klang und Körper. Bewegliche Grenzen für Freiräume. Beinah (?) ein Politikum. Hier ein guter Platz für den Titel des abendfüllenden Dokumentarfilms über Frith: \"Step Across The Border.\" Yep.



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