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Blur

»10 Years Anniversary Boxset«

[Food / Emi / VÖ: 22.01.2007 ]

Text: Autor unbekannt

Nur wenige britische Bands haben so aggressiv und erfolgreich mit dem Single-Format gearbeitet wie Blur. Zweiundzwanzig 7-Inches hat das Quartett in zehn Jahren Bandbestehen veröffentlicht - allesamt mit respektablem Charterfolg. Seit ihm mit 'There's No Other Way' 1990 der Durchbruch gelang, haben - die Dominanz der britischen Charts betreffend - höchstens Suede und vielleicht noch Oasis ein Wörtchen mitzureden. Die Single setzte aufgrund ihrer Erscheinungsweise (2CD-Set), ihres einzigartigen Artworks und den phantastischen Non-Album-Tracks der B-Seiten neue Standards. 'Bang' mag - retrospekiv betrachtet - für viele als Single, für einige sogar als Song ein Fehler gewesen sein, aber die B-Seiten-Tracks beschritten den Weg hin zu etwas, was für Blur-Fans längst Tradition ist: sie waren wiederum vom Feinsten, 'Luminous' gilt zu Recht als einer der besten Songs der Band.

Blurs B-Seiten werden seit eh und je kontrovers diskutiert. Kritiker der Band machen nicht zuletzt an ihnen exemplarisch den Vorwurf fest, Blur ständen in erster Linie für aufgesetzt anstrengende Artschool-Attitüde. Tatsache ist, daß sie der Band oft als Testparcours dienten, Experimente mit Sounds und Formaten zu wagen, die sich zum jeweiligen Zeitpunkt noch nicht ins meistens verhältnismäßig disziplinierte Albumkonzept hätten einbinden lassen. Neben Songs wie 'Inertia', 'Polished Stone', 'All Your Life', 'Day Upon Day', 'Tame', 'Young And Lovely', 'All We Want' und 'Fried', die allesamt zum Besten gehören, was die Band an Pop veröffentlicht hat, finden sich dort gerne auch für Harmoniebedürftige weniger verdauliche Häppchen wie 'Alex's Song', 'Uncle Love' und der vielleicht übelste Song, den Blur jemals aufgenommen haben: eine völlig blutleere, leblose Version von Rod Stewarts 'Maggie May'. Die A-Seiten allerdings scheinen so geballt (das Boxset enthält alle 21 Singles) nahezu unangreifbar, denn Damon Albarns Händchen beim Songschreiben ist zweifellos ein goldenes: kaum Unsicherheiten, noch seltener ein Hadern oder gar Stolpern des Herrn mit dem auffälligen Essex-Akzent, während er die Band von Album zu Album - mehr und mehr gemeinsam mit Graham - neu erfindet. Beispielhaft der Weg von 'Modern Life Is Rubbish' zu 'Parklife': die Band veröffentlichte das extrem brit-zentrische, nichtsdestotrotz catchige 'Sunday Sunday' als letzte Single aus 'Modernlife Is Rubbish' und läutete mit dem Retro-Dance-Track 'Girls & Boys' die legendäre 'Parklife'-Ära ein. 'Country House' hinterläßt aufgrund der häßlichen Auseinandersetzung mit Oasis einen bitteren Nachgeschmack, ist aber nichtsdestotrotz ein verdammt cleverer Tune und beinhaltet Coxons wohl bestes Anti-Solo. 'Charmless Man' und 'Stereotypes' schienen zu ihrer Zeit möglicherweise ein wenig gestelzt, stehen im Rückblick aber klar für Albarns brillanten Witz und seinen lyrischen Scharfsinn. 'Beetlebum' war DER große Schritt weg vom Klischee 'Britpop', landete ungeachtet dessen auf Platz 1 der Charts und zeigte Oasis klar und deutlich, wie man mit dem Erbe der Beatles umgehen kann und darf. 'Song 2' mit seinem rohen Riff und dem 'Woo-Hoo'-Chorus brachte dem Vierer den Durchbruch in den USA. Mit '13' expandierten Blur noch weiter vom Nukleus Pop hin zu Sounds, die vor allem die Freunde ihrer B-Seiten deutlich begrüßen dürften, kamen aber nicht umhin, mit dem Indie-Gospel 'Tender' und Grahams erstem Solo-Vocal-Auftritt auf einer Single, 'Coffee + TV', zwei Hits abzuliefern. Da die Band laut eigener Aussage niemals ein Greatest-Hits-Album veröffentlichen wird, ist diese weltweit auf 7000 Exemplare limitierte Box wohl die größte Annäherung, die es jemals geben wird. Ein definitives Statement. Nachdem Blur vor kurzem in Camden ein Konzert gaben, auf dem sie ausschließlich B-Seiten spielten, soll es im Dezember in Wembley noch mal einen Gig mit den A-Seiten - in chronologischer Order - zu hören geben. Parallel zur Veröffentlichung der Box zum zehnten Geburtstag der Band gab es in London eine Ausstellung mit den Original-Artworks, Dokumentarfilmen etc., die im Internet (www.blurx.com) virtuell zu besichtigen ist. Kurz vor Drucklegung erreichte uns folgende News: Auf CD #21 des Boxsets ist ein Fehler; 'Coffee & TV' springt etwa 30 Sekunden vor dem Ende des Tracks. Da alle Sets diesen Fehler aufweisen, wird „EMI' die noch nicht verkauften zurückziehen und ersetzen. Die meisten Fans allerdings erweisen sich als unwillig, ihre Boxsets zurückzugeben, da eine Fehlpressung durchaus zu einer Wertsteigerung führen könnte.



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aus Intro #70 (Dezember 1999 / Januar 2000)
 
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