BEWERTEN
 

Soulwax

»Little Shop Of Rock«

[12.09. - Hamburg, Logo]

Text: Autor unbekannt

Sie können beides, die Belgier aus Gent. Die grosse Pop-Gala zelebrieren sie ebenso galant und selbstbewusst, wie sie es bei der kleinen, dreckigen Rock-Show im Club knallen lassen. So sehr knallen lassen haben sie es im Hamburger Logo, dass Vermutungen über die hörorganische Degeneration des Live-Mixers berechtigter waren als Zweifel an der eigenen jugendlichen Abenteuerlust. Was ihrer Überzeugungsarbeit vor Ort für das zweite Album „Much Against Everyone’s Advice' keineswegs Abbruch tat. Und im Küstenstreifen der Benelux-Länder sind Soulwax sowieso schon ganz famos im Geschäft. Die Brüder Stephen und David Dawaele halten bei Soulwax das Ruder fest in der Hand.

Aus dieser Position lässt sich der unbekümmerte Schlingerkurs durch die Genres komfortabel lenken. Bei Bedarf wird die fünfköpfige Band durch ein Streichquartett aufgestockt. Dafür reichte der Zuschauerzuspruch hierzulande leider noch nicht. Kostet schliesslich auch Geld, die zusätzlichen Mäuler zu stopfen. Aber auch mit den altgedienten Mitteln - nebst dezentem digitalen Pluckern hier und da - brachten sie im leidlich gefüllten Etablissement etwas zuwege, was bald banal klingen mag: man tanzte! Sicher, wenn kleine Girls an den Absperrungen zerquetscht werden, dann weiss man, man hat es wirklich geschafft. Aber soll es für den Anfang nicht reichen, wenn eine Band das Spiel mit der Dynamik so souverän beherrscht, dass man gutgelaunt und in respektvollem Staunen, wieviel die Kiste Rock noch herzugeben vermag, in die Nacht entlassen wird? Wie genau es diese Hoffnungsträger des sophisticated songwriting hinter ihren grandiosen Mikrofonständern aus Neon-Röhren anstellten, blieb Rätsel genug für ein paar Biere der Nachbereitung auf der After-Show-Party im „Ex-Sparr'. Hatte sich die Grunge-Generation gerade ihren Acid Disco Soul zusammengezimmert? Hatte man Paul Simon endlich auf dem Rock-Altar geopfert? Zweifellos ging catchyness mit vollem Brett Hand in Hand. Beim Sezieren in Einflüsse, roots und bekannte Motive war man schnell gescheitert: Der Block ihrer musikalischen Leidenschaft ist schlichtweg zu fest gegossen. Neu-Inszenierung Rock? Aufgabe gelöst.



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aus Intro #69 (November 1999)
 
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