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»Kraftwerk - Ich war ein Roboter«
[Hannibal, 299 S., DM 38,-]
Text:
Markus Weckesser
So wie „Star Wars'-Anhänger jeder neuen Episode der Filmsaga entgegenfiebern, süchteln Kraftwerk-Fans nach neuen Lebenszeichen. Deren ehemaliger Schlagzeuger Wolfgang Flür legt nun seine Biographie vor. Doch Fans dürfte das schön gestaltete Buch einen Mythos zerstören und andere Leser gar nicht erst erreichen. Schade, denn mit Flür berichtet erstmals jemand aus dem inner circle über die Düsseldorfer. Nicht um technische Einzelheiten sei es ihm gegangen, vielmehr solle das Buch von „menschlichen Erfahrungen und wunderbaren Begegnungen' handeln. Eben das ist die Crux: Flür verspielt die Chance, Einblicke in den Arbeits- und Werkprozeß zu geben und diese aus der zeitlichen Distanz selbstkritisch zu analysieren.
Statt dessen breitet er auf geradezu exhibitionistische Weise sein Seelen- und Intimleben aus. Nichts scheint ihm zu banal, nichts zu peinlich. Vor allem die Berichte sexueller Eskapaden nerven extrem. Und doch: auch wenn oft genug Grund zur Beschwerde bestand, eine verbitterte Abrechnung, in der mit Dreck geworfen wird, ist das Buch nicht geworden. Natürlich wird das „Separationsverhalten' der Bandgründer Ralf und Florian angesprochen. Flür muß sich eingestehen, nur „Honorarmusiker' mit festem Monatsgehalt gewesen zu sein. Hinzu kommt der Mangel an freundschaftlichem Zusammenhalt: „Wir waren anscheinend nur ersetzbare Roboter für sie.' Er erzählt viel von Tourneen und vom ausschweifenden Künstlerleben, wenig dagegen von Erfindungen wie dem sogenannten Schlagzeugkäfig, der mittels Lichtschranken funktionierte. Weil letztendlich Neuerungen sowohl technischer wie auch künstlerischer Art auf sich warten ließen, warf Flür enttäuscht das Handtuch. Was bleibt, sind die Erinnerungen und die Musik. Vor zwei Jahren stellte Flür mit dem Album „Time-Pie' sein neues Projekt Yamo vor. Der euphorische Pressespiegel im Anhang des Buches wirkt wie eine späte Rechtfertigung. Vor Ralf und Florian. Und sich selbst.
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