BEWERTEN
 

Verhandlungssache

»USA 1998. R: F. Gary Gray. D: Samuel L. Jackson. Kevin Spacey, David Morse u. a. 135 Min.«

[20th Century Fox.]

Text: Autor unbekannt

Der Videoclip-Regisseur F. Gary Gray nimmt im Bereich „Actionfilm' auch mit seiner dritten Regiearbeit eine Sonderstellung ein. Denn ebenso wie der brillante Vorgänger „Set It Off' besitzt „Verhandlungssache' (OT: „The Negotiator') neben einem Gespür für exzellente Bilder und mitreißende Action ein ausgeprägtes Bewußtsein für nachvollziehbare menschliche Schicksale. Waren es in „Set It Off' vier sozial deklassierte schwarze Frauen, die ihre letzte Chance in Banküberfällen sahen, so geht es diesmal um den Cop Danny Roman (Samuel L. Jackson), einen gefeierten Verhandlungs-Spezialisten bei Geiselnahmen, dessen gesamtes Leben plötzlich vor die Hunde zu gehen droht, als ihm der Mord an einem guten Freund in die Schuhe geschoben wird, der einer polizeiinternen Korruptionsaffäre auf der Spur war.

Kurz entschlossen alles auf eine Karte setzend, nimmt Roman den vermuteten Hauptdrahtzieher hinter der Verschwörung und andere zufällig Anwesende als Geiseln. Um eine neutrale Beurteilung der brenzligen Situation zu gewährleisten, fordert er den außenstehenden Polizeiunterhändler Chris Sabian (Kevin Spacey) an. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn die alten Kollegen sehen in Roman plötzlich nur noch einen potentiellen Killer, den es zur Strecke zu bringen gilt.
Obwohl bereits oft genug (und wesentlich besser) erzählt, kann die Story – Unschuldiger muß mit unkonventionellen Mitteln seine Unschuld beweisen – trotz dreister Überlänge auf ganzer Linie überzeugen. Das liegt, mal abgesehen von der perfekten, actionreichen Inszenierung, nicht zuletzt an den beiden Hauptdarstellern, die sich ein extrem packendes Psychoduell liefern, bei dem die Kluft zwischen Geiselnehmer und Unterhändler immer schmaler wird. Leicht anzukreiden ist, daß Grays Sicht der Dinge diesmal vielleicht etwas zu positiv ausgefallen ist: konnte er es sich in „Set It Off' noch leisten, drei seiner vier Hauptfiguren draufgehen zu lassen, mußte er sich hier viel stärker Mainstream-Konventionen unterwerfen - Roman wird letzten Endes natürlich rehabilitiert und der eigentliche Täter entlarvt -, aber glücklicherweise nicht vollkommen der ätzenden Schwarzweißmalerei ähnlich gelagerter Blockbuster. Endlich mal wieder ein lohnender Gang in diese schrecklichen Multiplex-Bunker. Aber Vorsicht, in diesem Film wird mehr geredet als geschossen!



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aus Intro #68 (Oktober 1999)
 
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