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»GANG STARR«

[30.08. - Hamburg, Markthalle]

Text: Autor unbekannt

„Ten years in this biatch', so Guru - und aus diesem Grund waren alle gekommen. Zehn Jahre Gang Starr. Das heißt zehn Jahre lebendigste HipHop-Geschichte der wahrsten Sorte. Weniger Old School, vielmehr New School und vor allem True School. Daß sich DJ Premier zu Beginn mit abscheulicher Monsterfratzen-Gummimaske hinter seinen „Twos' postieren mußte, kann eigentlich nur an der erschreckend guten Stimmung in der Halle gelegen haben. Die Leute waren wirklich wild. Wohl nicht zuletzt dank der perfekten Aufwärmarbeit von Spax und DJ Mirko Machine: selten hat ein deutscher Rapper mehr Silben in so kurzer Zeit bewegt, und noch seltener wohl hat man ein Kombiset von Mirko Machine und Stylewarz erleben dürfen.

Das war wirklich groß, beeindruckend, weil es deutschen HipHop (zumindest live) in strahlendes Licht tauchte. Und darauf kommt es an, denn wie sagte KRS One bereits vor Jahren: „I remember back in ‘83 - no video, you had to be a real live MC.' Und dieser Geist, sehr mächtig, allgegenwärtig und überaus spannend, schwebte über der Bühne. Und unser aller Lieblings-HipHop-DJ war zugleich Motor und Steuermann. Vom Opener „Words I Manifest' in der flotten Remix-Version über „Step In The Arena' über „Take It Personal' über „Mass Appeal' bis zu „Royalty', „The Militia' und „Full Clip': kein Hit durfte fehlen, kein Gassenhauer verlustig gehen. Interessant, wenn die Beschränkung auf zwei Decks und ein Mikro auch mal die Fährnisse eines solchen HipHop-Live-Sets offenbart: wenn z. B. ein Stage-Roadie solchermaßen über die Bühne latscht, daß die Nadel springt (so richtig live eben) und damit die Metrik des Frontrappers etwas außer Takt gerät (was dieser mit einem imaginären Arschtritt quittiert), oder die Mikros so schlecht klingen, daß Guru seine eigene Stimme nicht wiedererkennt. Ärgerliche Dinge, das, aber der Sache letztlich nicht abträglich. Absoluter Gewinner des Abends war (zusammen mit anderen Gästen wie Big Shug, Hannibal und Jerus Busenfreund Afu Ra - zwischendurch reichten die Mikros mal nicht aus ...) der unglaubliche Freddie The Foxxx. Nicht nur, daß er so dermaßen finster dreinblicken kann, daß man den Augenkontakt scheut. Nein, er kann auch richtig lustig sein, der dicken Water-Pump-Action sanft den Schaft massieren und ordentlich die Leute naß spritzen - bis auf die letzte Reihe. Aber irgendwann muß mal Schluß sein (an diesem Abend nach knapp zwei Stunden, Weltlasse im HipHop!), und ein wenig habe ich die Frische vermißt, die ‘91, ‘92 noch über der „Daily Operation'-Tour schwebte. Vielleicht war es die gewisse Abgeklärtheit ... Doch wer wollte ihnen das verübeln?! Gang Starr sind ein Maßstab und waren es damals schon.



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