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No. One!

»PUBLIC ENEMY«

[01.09. - Hamburg, Große Freiheit 36]

Text: Autor unbekannt

Zurück in eine Zeit, in der man in vollgetaggten Kellern saß, mit einer Horde Homies vor einem schimmeligen Fernseher, und „Boyz ’n The Hood' und „Do The Right Thing' schaute, Geld für Technics sparte und Tüten teilte, als HipHop mehr Sprachrohr als Spaßfaktor war. Public Enemy nutzten dieses Sprachrohr wie niemand sonst, und wie niemand sonst sind sie diesem Stil treu geblieben. Gealtert, aber nicht alt, souverän, aber nicht routiniert, durchdacht, aber nicht starr. Die „Große Freiheit 36' war angenehm gefüllt, doch keineswegs mit der üblichen HH-HipHop-Crowd. Zottelkiffer neben Langzeitstudenten, Anarcho-Revoluzzer im Gespräch mit HipHop-Aktiven und ein paar verwirrte Originale wie der in rote Leggins und Springerstiefel gekleidete Spinnenbeinige mit Piratenkopftuch und durchlöchertem T-Shirt, der fortwährend schrie: „Wasser kocht!' und seinem (augenscheinlichen) Betreuer ab und an zuzischte: „Ich hasse dich, aber ich komme wieder ...' Diese Konstellation war für den beginnenden Afrob mit DJ Thomilla und Dawson von den Specializtz wenig günstig.

Ferris’ Auftauchen für „Reimemonster' ließ die Stimmung zwar steigen, aber im Grunde wollten die Leute nicht recht auf den Partysound abfahren und schonten ihre Kräfte für das Bevorstehende. Danach wurde es dunkel. Monitore wurden gerückt. Kabel festgeklebt. Der Boden gereinigt. Das DJ Pult gecheckt. Dann enterte Professor Griff mit den gerötetsten Augen der Welt und zwei Mitgliedern der Security Of The First World, stilecht stumm und bewegungslos das DJ-Pult flankierend, die Bühne und legte mit DJ Lord Aswap, der den abwesenden Terminator X ersetzte, ein Höllenintro hin. Vom ersten Moment an spürte man Energie und ungebrochene Spielfreude. Der Professor, ganz in schwarzer Tarnkleidung, behandelte das Mikrophon wie eine Pistole, rannte von links nach rechts und lieferte mit seinen Begleitern astreines Schatten-Kung-Fu. Dann kamen auch Chuck D und Flavor Flav unter Jubel ins Rampenlicht, und es folgte eine HipHop-Show par excellence. Es gab viel zu erzählen: Flav predigte über das fortwährende Unrecht in der Welt, Chuck D gab Props an deutsche Gruppen, an die US-Old School und feuerte die feiernde Menge immer wieder an. Das ging so weit, daß er einen minutenlangen Freestyle an ein Mädel herausschoß, das seiner Meinung nach nicht gehörig mitging. Immer wieder wurde die Bühne leer und dunkel, um Aswap Raum für seine Tricks zu geben. Wahnsinn! Musikalisch ein Greatest-Hits-Set von „Fight The Power', „Bring The Noise' über „Don’t Believe The Hype' bis „Do You Wanna Go Our Way', Songs, die irgendwie alle mitschreien konnten. Professor Griff freestylte im Publikum, Bodyguards hinderten Flavor Flav mehrmals am Stagediven, und an Zugaben wurde nicht gespart. Ein gelungener Abend, der die Hoffnung erhält, daß HipHop weiterhin Party und Message verbinden kann.



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