BEWERTEN
 

Kelly Joe Phelbs

»Shine Eyed Mister Zen«

[Rykodisc / Zomba]

Text: Autor unbekannt

Mit Gitarrengöttern ist es schwierig. Und noch schwieriger ist es mit Gitarrengöttern und ihren glühenden Verehrern. Ein letzterer ist jemand, der selbst eine Gitarre besitzt und aus gegebenem Anlaß gern mit wildem Blick beteuert, daß er, wenn er hört, was er hört, unverzüglich beim Herrn im Himmel und Leo Kottke schwören möchte, nie wieder eine Saite von eigener Hand ... und überhaupt. Vom Connaisseur mit giftigem Zischen und gewichtiger Gebärde auf einen schier unglaublichen Beweis der Fingerfertigkeit aufmerksam gemacht, bleibt einem in der Regel nur die Wahl zwischen verzückt kugelnden Augäpfeln als Demonstration enormer Verständigkeit oder einem grundehrlichen dummen Gesicht und dem Leben mit Banausen-Malus.

Freunde der technischen Kunstfertigkeit kommen bei Kelly Joe Phelps' akustischem Blues fraglos auf ihre Kosten. Schließlich hat der Mann über 15 Jahre lang diversen amerikanischen Studenten an Hochschulen und Universitäten die Feinheiten des Klampfens beigebracht und scheffelweise verzwickte Figuren im Repertoire. Doch auch wer sich nicht imstande sieht, allein angesichts der Imagination kompliziertester Griffe Erregungszustände zu evozieren, dürfte an Phelps’ traditionsbewußtem Wurzelwerk seine Freude haben. Wenn er jeglichen Gitarrengott-Verehrer auf einen Radius von mindestens 200 Metern bannt und schlicht genießt, wie die Gitarre plaudert, wimmert, mault und singt, als Vertraute des heiseren Mannes, der den schwerblütigen Blues mit der Improvisationslust des Jazz verkuppelt und mit großer Sensibilität von der einsamen Melancholie und den verwickelten Leidenschaften erzählt.



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aus Intro #67 (September 1999)
 
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