BEWERTEN
 

TOCOTRONIC

»K.O.O.K.«

[L’Age D’Or / Motor / VÖ: 26.07.1999 ]

Text: Autor unbekannt

Die Sache hatte sich ganz gut eingespielt: während Tocotronic ihre wundervoll erzählten Geschichten musikalisch und textlich an auserwählten Stellen zu plakativen Slogans bündelten, antwortete die Rezeption quasi spiegelbildlich, indem sie selbst ihre Gedanken sloganhaft aufbereitete. Kein journalistischer Text deshalb, ohne daß die Rede war von Larmoyanz, Alltagselend und - natürlich - Identifikationspotential. Schließlich war an den vielen Stellen, an denen sich ein „Ich' gegenüber „den anderen' positionierte, meistens ein empirischer Autor erkennbar, der zwischen geklärten Fronten seine Position für Anschlüsse relativ offenhielt. Doch mit derartigen Klarheiten brechen Tocotronic spätestens jetzt.

Sie tun dies, wie sollte es anders sein, mit einem der aufdringlichsten Slogans der Rockgeschichte, nämlich der fanfarenhaften Keyboardmelodie von „The Final Countdown'. Let there be rock - oder auch die langweiligste Landschaft der Welt. Zusammen mit den klar abgegrenzten anderen verschwindet dann ebenso der Autor inmitten von ungeklärten Seltsamkeiten und fließenden Instrumentalpassagen. Die Bedeutungen selbst sind ihm abhanden gekommen; nicht mal mehr von Rätseln kann gesprochen werden. Andererseits sind da natürlich noch die obligaten Sommertage. Es wird gegrillt und getrunken, aber einfach ist das nicht, wenn einem schon im zweiten Stück der Bissen im Hals steckenbleibt. Da mögen die Analog-Synthies noch so blubbern, gegen die finale Spröde der von Michael Acher eingespielten Bläser kommen sie nicht an.



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