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»ROBERT FORSTER & GRANT McLENNAN (GO-BETWEENS)«
[28.05. - Regensburg, Music Academy / VÖ: 24.06.2005 ]
Text: Autor unbekannt
An evening of surrealism. Nicht nur, weil sonst Ort für Horrorevents wie Flamenco-Jazz-Gitarren- und Afrocuban-Rhythms- Abende, ist die mitten in einem kleinen Wohngebiet gelegene „Music Academy' eine bizarre Wahl für ein Konzert der ehemaligen Go-Betweens Forster und McLennan. Der Weg zum Konzertraum führt die zu Forsters Wahlheimat Regensburg herbeigewallfahrteten Zuschauer - überwiegend 80s-sozialisierte Ex-Wimps - im Haus vorbei an Unterrichtsräumen für Gitarre, Klavier, Chor und Musikalische Früherziehung. Der glänzende Parkettboden ist bestuhlt, der Konzertraum hat den Flair eines Gemeindesaals der baptistischen Freikirche. Hier die Go-Betweens? Das mutet an wie ein R.E.M.-Konzert im Saal der örtlichen Balletschule.
Vollends surreal wird die Szene dadurch, daß der Veranstaltungsort, auch „Lokschuppen' betitelt, unmittelbar neben der örtlichen Zuglinie liegt und man durch die großen Fenster des Konzertraumes direkt in die Passagierabteile der in Blickhöhe vorbeifahrenden Züge hineinschauen kann.
Mitten in dieser Szenerie dann, auf einem Kleinkunstbühnenpodestchen: der divenhafte, dandylike anmutende „Lord Of The Song' Robert Forster - in seinem obligatorischen cremeweißfarbenen Anzug wie ein in einen „Raffaelo'-Werbespot hineingebeamter Oscar Wilde wirkend - und daneben der philcollinseske Grant McLennan in karierter Hose und Poloshirt, wie als käme er gerade frisch vom Golfplatz der Songpoeten, um mal eben ein paar Liedchen zu trällern. „Rock'n'Roll!!' ruft jemand im Publikum, breaking the surreal. „We WILL rock'n'roll ...!' kontert MC Forster vielsagend. Wie heißt es so schön im Prospekt über den Veranstaltungsort: „Die Music Academy bringt alle zusammen, die Musik machen wollen.' Das trifft allerdings auch zu auf die Betreuer der Beleuchtung: das Podest wird, ganz funky, amateurrockbühnen-like ausgeleuchtet in rockin' Pink und rollin' Sonnengelb. Es spricht für die Tiefe und die kompositorische Qualität der Songs, daß sie hier, in dieser devestierlichen Situation, Würde und Wirkung bewahren.
Reduziert auf zwei Akustikgitarren und zwei Gesangsstimmen, liegen die Songs in ihrer Unpluggedness zeitlos blank, frei von altbackener 80er-Patina. Das Talent Forsters und McLennans, banalen Popstrukturen poetische Wucht einzuverleiben, jene Go-Betweens-typische, seltsame, berührende, paradoxe Mischung aus swingender, verklärter Traurigkeit und beschwingtem Ernst in Songs zu packen, bricht hier in voller Romantik auf: Lagerfeuerromantik meets Geniuspop. Das Publikum, andächtig sitzend wie bei der Diabetikerschulung (eine Person liegt gar verklärt auf dem Boden), feiert jeden Song enthusiastisch als Erinnerung, mit einem Applaus, der für eine Thirtysomething-Hörerschaft einem rockistischen Ausrasten, im Sitzen freilich, gleichkommt. Da stört auch nicht, wenn Zwischenruf-No-Go-Areas wie „Hey, Supeeer!' begangen werden.
Ein Unplugged-Abend, der die weitere Nacht mancher anwesenden Liebespärchen sicher nicht unplugged verlaufen ließ. (Soll ich dir mal mein Go-Between zeigen?) Love goes on anyway!
Foto: Thomas Metzner
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