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»4° westl. Länge / 56° nördl. Breite«
[25.05. - Hamburg, Logo]
Text: Autor unbekannt
Wie muß der Raum aussehen, in dem eine Band wie Low ihre Musik ausbreitet? Die Band selbst hat auf dem Innencover ihres Debüts bereits eine Antwort gegeben: die Musiker stehen auf einer sparsam ausgestatteten Theaterbühne; alle drei tragen dunkle Abendgarderobe; ihre Körper und Instrumente werfen lange Schatten auf den hellen Bühnenhintergrund. Einsicht in den Bereich vor der Bühne gewährt uns die leicht unscharfe Schwarzweißaufnahme kaum, jedenfalls scheinen keine Zuschauer anwesend zu sein; eher lassen schwache Umrisse im Dunkeln ein leichtes Durcheinander von Stühlen und anderen Utensilien vermuten. Beim Hören von Low muß ein solches Bild haften bleiben: Der reduktionistische Gestus ihrer Musik findet sich dort verdichtet wieder.
Wie wunderbar ihr Chamber-Pop in einem solchen weiten Raum wohl klingen mag, läßt sich im Hamburger „Logo' - das völlige Gegenteil vom atmosphärisch aufgeladenen Theater-Ambiente: auf eine eher rockistische Art verschwitzt, bierselig, mit tiefen Decken, insgesamt nicht übermäßig sympathisch - nur erahnen. Aber Low stellen sich der für sie ungnädigen Lokalität: ganz eng auf der langgezogenen Bühne zusammengerückt, entsteht mit einem Maximum an Reduktion ein Höchstmaß an Energie und Dynamik. Der Geräuschkulisse der Kneipe wird die Würde einer klangmalerischen Stille entgegengesetzt. Low versuchen auf atemberaubende Weise, einen neuen Raum entstehen zu lassen.
Mogwai verfahren zu diesem Zweck etwas anders. Sie besetzen die Bühne in voller Breite, stapeln dort ihre hundert Gitarren bis unter das Dach, um schließlich in schönster Indie-Rock-Tradition enthusiastische Verschlafenheit zu zelebrieren. Wir sehen junge Menschen, die ihre Instrumente mit gesenkten Köpfen spielen oder einfach ganz auf dem Hosenboden sitzen bleiben. Nur leise dringen die Ansagen im kantigen Akzent ins Mikrophon. Vor allem aber nehmen sich die vier Schotten Zeit. Die Idee der langgezogenen Dramaturgie verfolgend, reichen ihre fast vollständig instrumentalen Epen bis an die Zehn-Minuten-Grenze. Auf bewährte Art umschlingen die Gitarrenlinien einander, eine Orgel tritt hinzu, manchmal gar eine Querflöte. Während Mogwai sich auf diese Weise entmaterialisieren, ziehen sie alles um sie Herumliegende hinein in ein auf- und abschwellendes Klangkontinuum. Reduzierte Passagen fließen dann in unglaubliche komprimierte Krachwände, die den Raum bis in den hintersten Winkel ausdehnen. Melodiöse Dissonanz und ekstatische Trägheit: Mogwai selbst stehen mittendrin; im hypnotischen Rauschen wie in den mathematischen Strukturen.
Foto: Stefan Malzkorn
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