BEWERTEN
 

MARTHA ARGERICH, GIDON KREMER, MISCHA MAISKY

»Trios Für Piano, Violine Und Violoncello«

[Deutsche Grammophon / UV]

Text: Autor unbekannt

Nach mehreren mißglückten Versuchen kam das hier versammelte Trio im Mai ’98 im Rahmen einer japanischen Konzertreise endlich zusammen. Shostakovichs „Trio No. 2 In E moll, op. 67' entstand im Kriegsjahr 1944. Hin- und hergerissen zwischen der strikten Ablehnung durch den sowjetischen Apparat und der offenen Wertschätzung seitens der künstlerischen Elite Rußlands, entwickelte Shostakovich eine experimentelle Klangsprache, gespickt mit Folklore inmitten akademischer Kälte und immer wieder absurdem Humor. Dieses Trio lebt, wie die Solisten mit fast unerbittlicher Härte konstatieren, von Dynamik, der Liebesbeziehung sich einander nähernder Melodiebögen im Allegro / Allegretto, von schwebender Modalität im Largo und schließlich vom träumerischen Seufzen im Adagio.

Wunderbare, lebendige Interpretation. Was Tchaikovskys „Trio In A moll, op. 50' im zweiten Teil der Aufnahme zu suchen hat, erschließt sich allenfalls aus der Überlegung, daß mit einem Konzertmitschnitt auch ein publikumsfreundliches Programm vorliegt. Tchaikovsky hält sich hier so streng an Formalia, sowohl in Ton als auch in fast verbrämter Melodieführung, daß man schon den einen oder anderen abschweifenden Blick aus dem Fenster wirft. Mitten im Karajan-Sellout eine erfrischende Veröffentlichung mit Werken eines Umbrüchlers und dessen geistigen Vorvaters, wichtig um des Erlebens willen und deshalb hier.



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aus Intro #66 (Juli / August 1999)
 
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