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»Schwimmen von Postrock zu Postrocky«
[14.05. - Berlin, Maria am Ostbahnhof]
Text: Autor unbekannt
Immer diese komischen P-Wörter: Postmoderne, Postbote, Post- und Pollunderrocker. Fügt man ein -y dazu, dann entspannt es sich ein wenig. So auch geschehen im hübschen „Maria am Ostbahnhof', das sich in Berlin immer mehr zum Nukleus elektronisch-rockiger Gegenwartsmusik herauskristallisiert. Schwerpunkt des „Space Jam'-Abends bilden zwei Acts des britischen Labels „Swim Records': Lobe und Silo.
Hinter Lobe verbirgt sich Ian Hartley, ein sympathischer Schotte, der sich im Hochdeck der „Maria' hinter die Regler begibt und die zunehmend in den Club strömenden Interessierten mit seinen jüngst auch auf dem feinen Tonträger „Hibernation' veröffentlichten, warmen Synthie-Popklängen bezaubernd einlullt.
Während Ian vierzig Minuten später seine Geräte zusammenpackt, beginnen im Parterre Silo ihren Set. So, wie ihr äußeres Erscheinungsbild auf groß, dünn und blond zusammengefaßt werden kann, reduzieren die drei dänischen Herren in ihrem Auftritt Rockshowkomplexität auf nahezu minimalistische, klischeelose Bewegungen und Ansagen, konzentrieren sich voll und ganz auf die Darbietung ihrer Songs, zum Teil vom aktuellen Album „Instar', zum Teil auch neu.
Silo stehen still und ernst vor eher langweiligen, leblosen Deko-Dias, im Gegensatz zu letzteren aber zeigt ihre Musik eine anschwellend hypnotische Wirkung auf den vollen Saal. Läßt man sich wirklich ein auf diese Veranstaltung, entfaltet sich der komplette Zauber der Melodie und der präzisen Rhythmik der Tracks. Die Klangamöbe Silo hat sich weiterentwickelt von ihren noch eher rockigen Wurzeln in Richtung elektronische Musikverfahren. Wenn sich die zumeist instrumentalen Stücke stoisch auszubreiten beginnen, gegründet auf das trockene Schlagzeug, die verzerrt fließende Gitarre und den bollernd dröhnenden Baß, rocken sie mal los, daß Shellac ins Gedächtnis kommen, dann wieder verlangsamen sie ihr Tempo und ähneln in experimentellen Phasen elektronischeren Bastlern wie Kreidler oder gar Drone-Kapellen wie Loop.
Nicht zuletzt spricht dieses Package Silo/Lobe für die Auflösung der scheinbaren Dichotomie „elektronisch/rockig'. Statt superverkopft oder arrogant-perfektionistisch wirken die Dänen dabei aber überaus locker und menschlich - in ihrer Überlagerung verschiedener Ansätze. Nach einem fulminanten Gig-Ende mit dem repetetiv-hymnischen „Deckwork' laufen Sören, Frederik und Mikkel noch einige Zeit lachend mit Ian im Club umher - offensichtlich kein Pflicht-Tour-Paket.
Foto: Christoph Jacke / Julia Kussius
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