BEWERTEN
 

BERNOCCHI, KONDO, LASWELL

»Charged«

[R & S / RTD / VÖ: 28.06.1999 ]

Text: Autor unbekannt

Was habe ich gefiebert, als ich diese CD in den Spieler legte: eine Kooperation des japanischen Großstadt-Trompeters Toshinori Kondo mit dem US-amerikanischen Ausnahmebassisten Bill Laswell und dem italienischen Düster-Beat-Wissenschaftler Eraldo Bernocchi - das konnte ja nur brutal umwerfend sein. Kondo ließ zuletzt auf dem schönen Album „Ki-Oku' seine Miles-Daviesken Trompetenläufe über Beats von DJ Krush perlen. Bernocchi begeisterte mich zusammen mit Scorns Mick Harris durch Brecher-Drum’n’Bass bei „Overload Lady'. Und Laswell ist ohnehin omnipräsent und unantastbar. Aber: soooo toll ist das hier alles nicht geworden. Laswell baut brav dubbige Baßfiguren, Kondo spielt wieder einsame, erhabene Läufe, und Bernocchi läßt einige gemäßigte Drum’n’Bass-Downbeat-Hybriden mit dezenten Stör-Drones springen.

„Radikalität heißt, die Leute auf einem bestimmten Level zu treffen und ihr Bewußtsein um ein, zwei Marken zu erweitern', sagt Bill Laswell. Für Radikalität aber ist hier alles zu brav. Kondos Trompete steht im Vordergrund und macht die Platte Großstadtcafé-tauglich - und wo sind die Breaks, wo steckt das Böse? Im Vergleich zu den ebenfalls sehr geschmackvollen Beats von Krush allerdings reißt Bernocchi hier einiges mehr an Reibefläche heraus. Sieht man mal von den hohen Erwartungen ab, ist das hier immer noch eine gute Platte für einsame Sommerabende, wenn vor dem offenen Fenster der Regen vorbeirauscht. Aber ich hätte es lieber gruselig.



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