BEWERTEN
 

JUNIOR DELGADO

»Reasons«

[Big Cat / V2 / RTD / VÖ: 07.06.1999 ]

Text: Autor unbekannt

Zweimal Reggae, zweimal erstaunlich Roots-nah, zweimal unter Mitwirkung mehr oder weniger unverzichtbarer Größen und Legenden des Genres (Skatalites- und Wailers-Mitglieder auf 'Reasons', Sly & Robbie und Dean Fraser auf 'Trodin On'), zwei völlig unterschiedliche Ansätze. Junior Delgado ist im Vergleich zu Gentleman ein alter Hase mit bestem Leumund: Zögling des Hauses 'On-U Sound' und von dessen Mentor Adrian Sherwood, der das Album gemeinsam mit seinem all-time-buddy Skip McDonald produziert hat, Gründer des 'Incredible Jux'-Labels und Künstler mit ansehnlicher Diskographie. Roots, Dub, Raggamuffin ... Junior hat fast alles ausprobiert. 'Reasons' schlägt ein weiteres Kapitel im Werk des Jamaikaners auf: größtenteils akustisch instrumentiert, trifft hier Weltmusik auf rootsige Reggae-Basics.

Wem das bekannt vorkommt: konzeptionell gibt es in der Tat starke Parallelen zu Bim Shermans großartigem 'Miracle'-Album. Der Kölner Gelegenheitsjamaikaner Gentleman legt dagegen mit 'Trodin On' sein Debüt vor, ein außerordentlich respektables noch dazu. Inwiefern die Beteiligung von Sly Dunbar & Robbie Shakespear sein Album adelt oder vielleicht auch einfach nur einmal mehr zeigt, daß die beiden gerne jederzeit mit talentierten Musikern (was Mr. Gentleman zweifelsohne ist) zusammenarbeiten, wenn sie Zeit und Muße haben (das Geld kann es weiß Gott nicht sein), sei dahingestellt. Tatsächlich spricht das Album für sich selbst. Auch Gentleman bedient ein beeindruckendes Spektrum, definiert und dividiert, will meinen: dreigeteilt durch seine Wurzeln, für die hier stellvertretend die Produktionen stehen: Köln und Roger & Shorty von der Digital-Diamond-Crew, Stuttgart und Philippe Kayser, Produzent von Freundeskreis' 'Tabula Rasa', und natürlich Jamaika und Richie Stephens. Das Ergebnis schlägt einen eleganten Bogen von HipHop über Ragga zu souligen Roots-Tracks - getragen von einer außerordentlich ausdrucksstarken Stimme und einem Killer-Style: halb toastend, halb singend, mit Flow und Seele bis dorthinaus kann der Whitey - wie bereits getan - auch auf Jamaika die Bühnen burnen, ohne rot zu werden.



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