BEWERTEN
 

RED HOT CHILI PEPPERS

»Tanz den V.I.P.«

[02.06 – Hamburg, Kampnagel]

Text: Autor unbekannt
[5 Kommentare]

Der Herr hier rechts im weißbehemdeten Dixieland-Outfit hat wahrscheinlich einen wichtigen Posten innerhalb des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft inne. Er hat allen Grund zur Freude und Ausgelassenheit: die Red Hot Chili Peppers sind zurück, mit neuer Platte und altem Gitarristen. Grund genug auch, die Band ein Showcase vor erlesenem Publikum spielen zu lassen, ehe man die Kalifornier sich dem Pöbel beim diesjährigen „Bizarre'-Festival ausliefern läßt und diese zur Belohnung deutschen Boden so bald nicht wieder bespielen müssen. Das Mädel hier links hat entweder ihren Wichtig-Paß schamhaft unters Röckchen geschoben oder ihre Konzertanwesenheit im Buntheits-TV gewonnen.

Sie weiß nicht so recht: die alten Hits, ja gut, wenn’s denn sein muß, die neuen Songs – na ja, prima Gelegenheit, ein Bier schnorren zu gehen. Warum John Frusciante allseits als der einzig wirkliche und wahrhaftige Gitarrist anerkannt ist, weiß der Himmel allein. Und der behält es getrost für sich. „Californication', das aktuelle Album der Chili Peppers, schweigt sich zu diesem Thema ebenso aus wie eben diese Live-Performance. Songs des Vorgänger-Albums „One Hot Minute' haben es jedenfalls nicht auf die Set-list geschafft. Vielleicht wollen die Jungs nicht an ihren Karriereknick erinnert werden, vielleicht sind aber auch die Gitarrenparts einfach zu tricky. Dann eben die Kracher von „Blood Sugar Sex Magic', die haben zwar auch schon mal besser geknallt, nehmen sich aber im direkten Vergleich zu „Scar Tissue' und ähnlich dümpelndem Geschunkel von „Californication' noch halbwegs knackig aus. Halbwegs. Sicher, die Peppers haben an diesem Abend mit einem saubeschissenen Sound zu kämpfen. Allerdings war die Band live stets einige Klassen weniger beeindruckend als auf ihren Alben. On stage agieren die Chili Peppers nur wenig über dem Niveau einer guten Schülerband. Flea gibt zwar das wilde Rock’n’Roll-Animal, kümmert sich dabei allerdings herzlich wenig um Tightness und Groove. Kiedis vergreift sich regelmäßig in der Tonlage, wird darin aber eindrucksvoll von Frusciante überboten, dessen windschiefer Background-Singsang gleichzeitig noch seine dümmlichen Gitarrensoli in den Schatten stellt. Einzig Chad Smith am Schlagzeug könnte man ein gutes Zeugnis ausstellen: sein Spiel ist auf das Wesentliche reduziert, handwerklich einwandfrei und hält den Sauladen mit Mühe und Not zusammen. Allerdings wird schnell klar, daß er es ist, der die spannungslosen Klampf- und Greinsongs des neuen Albums verschuldet hat. Mid-tempo-Gähner, bei denen er nicht ganz so kloppen muß, geben dem Mann mit der obligatorischen Baseball-Mütze auf dem Dez live nämlich die Gelegenheit, beeindruckend viele Fluppen beim Spielen wegzuschmauchen. Viel Rauch um nichts also. Da hilft es wenig, daß Kiedis mit seinen blondgefärbten Haaren aussieht wie Iggy Pop, auch wenn sein Muckibuden-Body ein paar Krampfadern schmerzlich vermissen läßt. Ebenfalls schmerzlich vermißt: die Dame von links. Wahrscheinlich am Bierstand. Trink den V.I.P.



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aus Intro #66 (Juli / August 1999)
 
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  • contier 29.04.2003 | 22:49:43

    Das ist jetzt der zweite Artikel, den ich von diesem gewissen Boris Fust lese. Und es ist eine Frechheit. Wer behauptet, John Frusciante ist kein klasse Gitarrist und meint, die Peppers waren live nie mehr als eine Schul-Band, hat keine Ahnung.

    Wiese darf jemand Artikel über eine Band schreiben, der sie scheinbar nicht sonderlich leiden kann?

    Boris Fust gehört auf den Mond geschossen.

  • User: Sören
  • Sören 29.04.2003 | 22:55:12
    Tiki-Taka-Taliban.
    die chili peppers sind live nunmal scheiße. allerdings ist frusciante super, wenn seine livesachen auch ungefähr dreißigmal so gut sind wie die chili-dinger.

  • User: settergren
  • settergren 29.04.2003 | 23:11:21

    da hat aber einer tief gegraben...

  • Tomalak 29.04.2003 | 23:21:26
    runner vonn de Gass
    ich stimme, dem zu dass es "Journalisten" immer als Kreuzzug verstehen gegen eine Band herzuziehen.
    Auch wenn er im Endeffekt recht hat.
    Die RHCP sind live sowas von mies.
    Eigentlich ja fast schade, da die Songs ganz gut rüberkommen könnten.

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