BEWERTEN
 

MERRICKS

»Escape From Planet Munich«

[Sub Up Records / EFA / VÖ: 25.06.1999 ]

Text: Autor unbekannt

Die Münchner Band hat ihre Freunde, aber wirklich ernst wurde sie bisher kaum genommen. Mag daran liegen, daß Merricks in ihrer Anfangszeit in den späten 80er Jahren zu sehr wie kleine, lustige Geschwister der Intellektuellen- und Kunstband FSK erschienen. Sie betrieben deutschsprachigen Zitat-Pop an Herb Alperts Mariachi-Trompeten-Fake zu einem Zeitpunkt, als in Deutschland noch kaum jemand einen Begriff von Easy Listening hatte. Ja, und dann griffen sie auch noch „The Sound Of Munich', Discomusik im Stil bestimmter Münchner Studios in den 70er Jahren (Giorgio Moroder, Donna Summer), wieder auf. Fein Verarbeitetes zwischen Smash-Hit und Track, großartig – erstaunlicherweise auch live -, aber viel zu leicht mißzuverstehen als ...

nur ein Spaß. Das Andreas-Dorau-Problem. Aber jetzt nicht mehr. „Escape ...' verfolgt offenbar das Konzept, die Band aus der Schublade „Munich Disco' wieder herauszuführen. Was gelingt. Allerdings, indem Entwicklung nicht bedeutet, auf die entsprechenden musikalischen Erfahrungen (Verwischen der Grenze zwischen Popsong und Track; Synthesizer auf allen Ebenen, nicht zuletzt im Bereich der Stimme: Vocoder) zu verzichten. Ich verstehe das Album eher als einen Blues auf das Spiel mit dem Retrogefühl zur Stadt. Als das reale, weniger perfekte Gefühl zur phantasierten Erinnerung. Denn Glück ist hier nun zwar etwas, das es gerne gibt – allerdings mit der Einschränkung: zerknittert oder durchnäßt bis auf die Haut. Man nennt es Eseligkeit: der Esel ist hier der Held der Liebe, und charmante „fools' sind unterwegs überall, „stupid' der Begriff für eine andere Klugheit. Eine, die bedeutet, daß man sich erst bewegen muß, bevor man sich versteht. Das und mehr, komplex musiziert, aber ganz und gar unkompliziert und ungekünstelt, in der Gestalt von spanischem Sprechgesang, Marion Dimbaths Gesang und Bläsersätzen, die Dich anblasen. Hier kann jemand arrangieren! Hier ist der Groove. Ist DAS deutsche Popmusik? Im Geist von Der Plan (und FSK)? Das Cover hat, wie beim letzten Mal, Moritz R® gemalt. Trotz Flucht vom Planeten München – der wirkliche Feind dieser Popmusik mit den vielen guten Ideen ist nur: die Langeweile.



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