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TOCOTRONIC

»Rock Pop In Concert«

[05.06. - Hamburg, Deutsches Schauspielhaus]

Text: Autor unbekannt

- Laß uns doch mal wieder ins Theater gehen. - Was läuft denn so? - Tocotronic.Das „Deutsche Schauspielhaus' in Hamburg: nicht irgendein Theater. Selbstbewußt wehen die bunten Fahnen von der hohen Kuppel des Gebäudes; das strahlende Leuchten der hellen Mauern ist wörtlich zu nehmen. Denn hier weiß man, daß das eigene Theater zu den führenden Bühnen des Landes gehört. Und wüßte man es nicht, würden es einem die vielen wichtigen Auszeichnungen, die man scheinbar nebenbei einsammelt, verraten. Das Geheimnis des Erfolges dabei ist eine kalkulierte Melange aus Anspruch, Gegenwärtigkeit und einer Prise Tradition; gleichzeitig gilt es, mindestens genauso gut auszusehen wie das hauseigene Magazin im übergroßen DIN-A3-Format.

Christoph Schlingensief und Stefan Pucher haben hier ebenso gearbeitet wie Rainald Goetz oder Christoph Marthaler. Und während das Stück „Er nicht als Er' von Elfriede Jelinek im Malersaal das Theater selbst an seine narrativen Grenzen führt, hängt am gleichen Abend vor dem Haupteingang ein großes Transparent mit der Aufschrift „Gastspiel'. Heute kommen Tocotronic, um uns zu erzählen. Im Großen Saal sitzen schließlich alle in ihren samtbezogenen Klappsesseln. Die Haare den Regeln entsprechend strähnig, verwuselt, liebevoll schief geschnitten; hier und da Trainingsjacken. Zufrieden zurückgelehnt, räsoniert man über die Vorzüge von Platzkarten und läßt den Blick von dem üppig-goldenen Dekor an den Wänden zu dem alten Deckengemälde schweifen. Insgesamt gleicht die Szenerie einem großen Schulausflug in das prunkvolle Ambiente der Hochkultur. Nur daß statt dem notorischen Don Carlos letztendlich doch Tocotronic auf der Bühne stehen und sich zunächst mit großer Geste als glamouröse Rockstars zu inszenieren wissen – ein Bild, das allerdings die träge treibenden Akkordprogressionen von „Das Geschenk' gleich zu Beginn nicht überlebt. Um so verträumter fließen dafür die vielen Wünsche, Erinnerungen und Leidenschaften, von denen die Musik handelt, inmitten der ausfransenden Kompositionen. Der Verzerrer findet seinen Einsatz nur an ausgewählten Stellen, artig verbeugen sich Tocotronic nach fast jedem Stück. Was in den ersten Momenten noch Rockoper hätte werden können, wird auf diese Weise bald Rock Pop in Concert mit eingeschränktem Bewegungsspielraum und Rauchverbot im Publikum. Erst bei „Freiburg' begeben sich einige Leute in den schmalen Bühnengraben, fangen an zu tanzen, zu schubsen, zu springen, zu feiern. Doch bald sind die 90 Minuten auch schon zu Ende. Die Lichter gehen in dem großen Kronleuchter unter der Decke an, aus den Boxen dringt in wohldosierter Lautstärke „Forever Young' von Alphaville. Foto: Stefan Malzkorn



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