XTC
»Transistor Blast - The Best Of BBC-Sessions (4-CD-Box)«
Text: Autor unbekannt
Der ultimative Slogan, ungeschlagen, weil das geht, weil das stimmt, weil das stimmen soll und stimmen mag: This Is Pop. Einen Weg vorbei an dieser Schachtel hat nur, wer nicht schon beim Lesen des Titels zwanghaft Textstückchen zu stammeln beginnt: \"On a walkway / moving fast / all I get is transistor blast.\" Schon ein komisches Ding, das. Zwei der vier CDs sind Konzertmitschnitte aus den Jahren '78 bis '80 und ein nostalgischer Spaß für Fans; die zwei anderen sind Radio-Aufzeichnungen und natürlich eine Versammlung großartiger, exzellenter, zeitloser Popsongs, die der wahre XTC-Fans (und die haben fast nur solche!) allerdings eh schon auf den regulären Alben und B-Seiten, Raritäten- etc.-Compilations besitzt.
Und so ist \"Apple Venus, Vol. 1\": reine Musik. Weit weg vom ursprünglichen Bandkonzept, weit hinaus auch über Pop als Konzept, sind XTC, die Könige des Zitatpop, heutzutage mehr sie selbst denn je und können es sich leisten, an diesem Punkt ausschließlich sich selbst zu zitieren. Bis man schließlich findet, daß alles, was das immer brauchte, da ist, unverwechselbar XTC, dauert die ersten fünf, sechs Mal. Denn ein wie auch immer geartetes analytisches Hören des Albums ist keine echte Option, wenn sich nach spätestens zehn Minuten zur elliptischen Popsong-Suite zurechtläuft, was mit dem Klang eines einzelnen Wassertropfens beginnt, der in Wasser fällt. \"Apple Venus\" ist ein im modernen Sinne streng orchestrales Werk, das auf deutliche Präsenz von Schlagzeug und Gitarren verzichtet, makellos und unperfektionistisch, das bei blühender Laune mit Kitsch kokettiert und Protest gegen emotionale Kälte formuliert. \"Climb aboard, climb aboard, human form!\" (\"The Last Balloon\").
Wer sich noch mal von den durch nichts umzuwerfenden Qualitäten der Songs von Partridge und Moulding überzeugen möchte, kann sich auf dem (schon vor ein paar Monaten erschienenen) Tribute \"A Testimonial Dinner\" gerne mal anhören, wie nicht mal eine lahme, vor Respekt in die Knie gehende Tralala-Combo wie The Rembrandts (u. a. für den Titelsong der US-Sitcom \"Friends\" verantwortlich, immerhin!) oder The Verve Pipe den Songs was schaden können. Schön, wenn \"The Man Who Sailed Around His Soul\" von Ruben Blades klingt wie zitierter Zitatpop, XTCs Original klingen läßt wie die Coverversion, während \"Statue Of Liberty\" von Joe Jackson, der eine auf seinem Weg ähnliche Entwicklung durchlaufen hat, das unpätentiös-selbstverständliche Hör-mal-zu des Zeit- und (ursprünglichen) Stilgenossen besitzt.
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