Blur
»13«
[Fruit / EMI / EMI / VÖ: 12.03.1999 ]
Text:
Jens Rübsamen
Gospel. Befreiung. Come on, get through it. Abstreifen, was nicht not tut. Ungezieferbekämpfung. "Bugman". Posergitarren. Klischees sind schon klasse, wenn man es sich denn leisten kann, sich über den eigenen Stardom lustig zu machen. Und die Hitradiopresse hält sich die Ohren zu. Kann ich verstehen. Danke schön, Herr Orbit, erst mal für die kaputteste Blur-Produktion überhaupt.
Nicht mehr Pop als Selbstkopie (von "Park Life" nach "The Great Escape"). Songs mit weitergedachten Melodien wie weiland auf "Modern Life Is Rubbish", dazu Rotz und Weite, zwei Komponenten, die sich bei Blur trotz ihrer Gegensätzlichkeit immer fanden, denn "space is the place", auch wenn der Bierbauch beim freien Schweben stört. Englische Kunststudium-Saboteure sagen: "Laßt uns machen, was wir wollen, dabei fällt schon ein Hit ab." Mindestens. "Tender": sieben Minute lang, eigentlich nur Refrain. Wer das nicht frißt, der freut sich über "Coffee & TV" oder den Kurzknaller "B.L.U.R.E.M.I." als Nachfolger von "Song 2", diese Musik gewordene Chance für jeden Bankkaufmann-Azubi, sich einmal auf dem Tanzflur wie ein "Punker" zu fühlen. Dann nimmt Graham Coxon sein Fußtreterdelay und schließt es kurz. Klingt scheiße. Super. Die nostalgische Schnulze "1992" wird im Finale zum zynischen Abgesang, this is eben doch no love song. Zynismus klingt in den richtigen Händen wie Zustimmung des eigenen Unterbewußtseins. "Battle" gerät zum Psychogramm, stoisch, apathisch, selbstvergessen, Fratzen schneidend. Einerseits ist "13" das musikalisch ausgereifteste Blur-Album mit allem, was Arrangements brauchen, um bedeutungsvolle Lieder zu hinterlassen. Andererseits führt es vom anfänglichen Grinsen im Chor über kleine verunsichernde Sketche in Richtung echte Morbidität und des leichten Schwachsinns des ungereimten, unbegründeten Frohsinns. Das macht "13" für mich zum ehrlichsten Postulat der Band und vielleicht nach einigem Sackenlassen zu ihrer besten Platte.
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