BEWERTEN
 

Gravity Kills

»"Perversion"«

[Sony Music / VÖ: 11.10.2006 ]

Text: Autor unbekannt

Die Zukunft, so sagen uns Platten wie diese, wird hart. Technoid. Und kalt womöglich auch noch. Rockmusik muß, will sie noch Gehör finden, ihr Klangbild wandeln, muß sich mit den digitalen Entwicklungen der Soundfabrikation auseinandersetzen und diese ihren eigenen Songs nicht aufpfropfen, sondern nach einer Fusion suchen. Industrial war die erste Lösung des Problems und sie erweist sich als eine recht haltbare, die mittlerweile so populär geworden ist, daß sie durch Bands wie Nine Inch Nails, Filter oder Marilyn Manson in die Hitparaden der Welt Einzug hielt. Die \"Born To Be Wild\"-Highways der 70er wurden ersetzt durch die Datenautobahnen, dem musikalisch formulierten Wunsch nach unbegrenzter Freiheit folgte die klaustrophobische Enge der Innensicht und Hervorkehrung einer zumeist kranken Psyche.

An diesem ebenso tristen wie knallharten Versuch eines Blickes in die Zukunft versuchen sich auch Gravity Kills aus St. Louis, deren Songs sicher nicht aus purem Zufall auf Soundtrack-Compilations wie Mortal Kombat, Seven oder Flucht aus L.A. gelandet sind. Gravity Kills sind im wesentlichen eine Liveband, die auf Samples, Sequencer-Bässe und allerlei Soundwerk zurückgreift, das mit herkömmlichen Instrumenten nicht zu produzieren ist. Die Kombination als solche ist sicherlich gelungen und jeder einzelne Song hat eine Dramatik, die ihn durchaus hörbar macht. Leider greift diese Dramatik viel zu oft auf das Rezept einer Strophe zurück, in der der Sänger von treibenden Beats und pluckernden Basslinien begleitet wird, Spannung aufbaut, die sich dann in einem brachialen Gitarrenrefrain entlädt. Das haben aber spätestens Filter auf ihrem Debütalbum schon totgeritten und so läßt auch Gravity Kills mit dieser gut produzierten Platte die Frage offen, wie die Zukunft (des Industrial) sonst noch aussehen könnte. Außer hart. Und technoid. Und kalt.



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