BEWERTEN
 

Do you wanna get heavy

»Jon Spencer Blues Explosion«

[13.11.98 - Hamburg, Große Freiheit]

Text: Autor unbekannt

\"Are you ready for this? Here it is.\" Jon Spencer präsentiert die Jon Spencer Blues Explosion. Ladies and gentlemen, machen Sie sich auf etwas gefaßt. Yeah! Oder auch: come on! Allerdings mit der Einschränkung, daß in der \"Großen Freiheit\" von Anfang an die Regeln bekannt sind. Als Jon Spencer letztendlich seinen Körper über Boxentürme rollt, sagen die Blicke des Publikums zustimmend: genau, so hat es zu sein. Später in der Kneipe dann die zufriedene Antwort auf interessierte Nachfragen das Konzert betreffend: wie erwartet. Und nach kurzer Pause: natürlich gut.
Ja, selbstverständlich gut, vielleicht sogar besser. Ein goutierbares Spektakel eben, wie bestellt.

Denn trotz des ansatzweise vorhandenen Pop-Appeals von \"Acme\", dem letzten Blues-Explosion-Album, geht es auf der Bühne darum, den Zuschauern wirkungsvoll in den Arsch zu treten. Klang und Bewegung auf höchstem Energielevel, zentriert um den \"Blues Explosion Man\" persönlich. Der stößt schwitzend die Worte, vermengt mit Speichel, aus sich heraus, hingeworfene Verbalbrocken, versetzt mit den formelhaften Spracharrangements, die ihn zu einer Art MC des Shit-Rock werden lassen. Vor dem Theremin in ekstatischer Körperhaltung kniend, übersetzt das Gerät die Bewegungen im elektroakustischen Feld der Antenne in ein nervöses Pfeifen. Für Momente verschwindet das Mikrophonende ganz im Mund, transportiert von dort erstickte Laute, während nach außen jede Geste unwiderstehlich ihre Wirkung kennt - \"It's showtime with the number one from New York City.\"
Deutlich teilt die Blues Explosion mit Bands wie Royal Trux oder den Melvins die Ahnung, daß Rock schon lange nur sehr offensiv zu spielen ist. Gerade im Auftreten eines Jon Spencer kristallisiert sich ein Gespür für die schwierige Gratwanderung zwischen postmoderner Textur und Authentizität, zwischen einem geliehenen Stück Geschichte und der Verantwortung, es bedingungslos für eigene Zwecke einzusetzen. So funktionieren jedenfalls die sorgsam ausgewählten Posen, die exzessiv am eigenen Körper abgearbeitet werden. Und so kommt es auch, daß Jon Spencers Glamour mehr ist als das hell-silbern glitzernde Hemd auf der Haut. Eine Stilfrage, sicher, aber eben nicht nur, sondern auch ein von der Musik getragenes Wissen, inmitten der Verweiskombinatorik nicht Teil dessen zu sein, womit man sich beschäftigt. Oder anders ausgedrückt: \"This ain't no blues: this is Rock'n'Roll.\"



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