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Talk Talk

»"London 1986"«

[Pond Life / EFA / VÖ: 19.02.1999 ]

Text: Autor unbekannt

Schön, daß es so etwas noch gibt: eine Platte, die eigentlich nur zeigt, wie es damals war, aber keinen Anspruch daran stellt, heute noch besonders bedeutsam zu sein. So waren Talk Talk also damals auf der Bühne. Da braucht sich niemand groß Gedanken darüber machen, ob er denn hier in bestimmten Arrangementveränderungen der Stücke im Vergleich zu den Studioversionen erste Schritte zur experimentellen Metamorphose des britischen Popprojektes heraushören kann.
Denn hier werden alle Stücke von vielen Musikern vorgetragen, die mit der folgenden Entwicklung der Band nichts mehr zu tun haben sollten (Gitarrist David Rhodes \"gehörte\" ohnehin Peter Gabriel).

\"London 1986\" ist ein Archivstück, zugegeben ein sehr schönes, jedoch nicht Ausblick auf Kommendes. Ein Mitschnitt des letzten Konzertes von Talk Talk, ein perfektes Bild der perfekt auftretenden Band. Acht Stücke nostalgischer Wave-Pop und betont rhythmische, angeblueste \"Nummern\", wie sie damals Leute aus dem Häuschen brachten, die jahrelang nur Keyboards und Schlagzeugsequenzer konsumiert hatten.
Heute ist der Konzertmitschnitt \"London 1986\" (Hammersmith Odeon) eine Art Best-of-Live-Album, mit allen Knallern drauf und der richtig transportierten Stimmung, Mitsingen bei \"It's My Life\", Percussion-Solo bei \"Living In Another World\", durchdrehenden Teenies bei \"Such A Shame\", unerträglichen Zwischenrufern bei \"Renée\" - das Leben war einfach schön in den 80ern.
Eine weitere Dimension? Nein, ich finde an dieser Platte, auch wenn sie das erste Talk-Talk-Live-Album überhaupt ist, nichts Epochales. Herr Hollis am jetzigen Punkt seiner Entwicklung wahrscheinlich auch nicht. Aber er findet es gut, daß es dieses Album gibt, bringt er es doch auf seinem eigenen Label heraus und hat es mit Leib- und Magenmixer Phill Brown erarbeitet. In einem Nebensatz würde ich gerne mal mit ihm darüber reden. Über damals und das Gefühl, \"Tomorrow Started\" mit laaaaaangen Pausen zu füllen, während Tausende an seinen Lippen hängen. Vielleicht hat es den Mann hinter der Sonnenbrille fast umgebracht. Warum sonst hätte er sich davon verabschieden sollen? Allein diese Frage geht über diese Aufnahmen hinaus. Das Wesentliche ist gesagt.



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