BEWERTEN
 

DIVERSE MIT DIVERSEM DRAUF ...

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Text: Autor unbekannt

Um der Flut monatlich auf uns einstürzender Compilations Herr zu werden, hier ein kurzer, knackiger Überblick über solche, die uns am Herzen liegen.
Lange hat sie nicht gedauert, die Zeit des Swing in Deutschland. Irgendwann war der Ofen aus, bekanntermaßen staatlich forciert. Heute ist das Swing-Ding wieder da und mit ihm Originale wie hier enthalten. Einfache Botschaften, \"Jawohl meine Herren\", \"Bei mir bist Du schön\", \"Wenn ein junger Mann kommt\", \"Tango Nocturno\", und auch uns wird heute noch warm ums Herz. Gute Laune, ewig populär, weil organisch, sprich menschlich. Deutschlands ältester (noch aktiver!) DJ Günter Discher zog einen Querschnitt aus seiner Edition, und wir hören auf \"Die Musik der 30er & 40er Jahre\" gerne zu, was denn damals chic war, weil es heute noch und wieder chic ist.

Goodman, Basie, Artie Shaw, Teddy Stauffer, Lale Andersen, Heinz Rühmann und - okay, vielleicht ein bißchen sehr dick aufgetragen - Rudi Schurickes \"Caprifischer\". In Dischers Edition tummeln sich inzwischen an die 20 künstlerbezogene Titel, deren Ausnahmestellung durch ein auf jeder CD enthaltenes Zeitzeugen-Gespräch mit Discher zum Erleben der entsprechenden Zeit (er selber Jahrgang 1925) erwächst. Hier die wärmstens empfohlene Editionscompilation (Anspieltip: Juan Lllossa \"Tango Bolero\"). Ein Ende von Veröffentlichungen ist zudem schwer abzusehen, schmeißt \"Ceraton\" (EFA) doch dieser Tage ein weiteres Album (Vol. 21) mit ehemals verschollenen Aufnahmen Glenn Millers (\"The Unknown\") auf den Markt - dazu beim nächsten Mal. (Carsten Sandkämper)
Unter dem Titel \"Stolz & Vorurteil\" (dem Klassiker der englischen Autorin Jane Austen entliehen), veröffentlicht von den ehemaligen Lassie Singers Christiane Rösinger und Almut Klotz auf ihrem Label \"Flittchen Records\", sammeln sich die unterschiedlichsten Frauen, Frauenbands, und Bands, in denen Frauen spielen: die charmant versponnenen Stereo Total, wehmütig mit gluckernden Synthesizern die Quarks, von Herzen dilettantisch die Pop Tarts, Katrin Achinger (ehem. Kastrierte Philosophen), Greta Schloch, die ihren Alten jederzeit für eine Flasche Bier eintauschen würde, und natürlich die Solobands der verblichenen Lassie Singers, Britta und Parole Trixi. Eines haben sie alle gemein: sie kommen ohne großen Zirkus aus. Oft reicht eine Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, 4-Spur-Gerät, ein Proberaum, ein Wohnzimmer. Keine großen Gesten, keine aufgeblasene Produktion, und schon gar keine Aufwendung des sogenannten \"Tittenbonus\". Eher Bezauberung im Kleinen, ohne dabei bescheiden zu sein. Was Jane Austen's stolzer Fitzwilliam Darcy davon gehalten hätte, sei dahingestellt. (Jennifer Koegst)
Obwohl Electro im letzten Jahr ja auch in den Mainstream schwappte, hat das nichts an der frischen Bewegung im Underground geändert. Dies beweist auch mal wieder eindrucksvoll die neue Label-Compilation \"Track: Further Funk\" von \"Hydrogen Dukebox\" (RTD), die sich inhaltlich an dem einmal im Monat veranstalteten Live-Event des Clubs \"Track\" orientiert. Auf der Bank sitzen neben den etwas bekannteren A1 People mit \"Goin' Down\" und \"Strawhead\" vor allem die Riege der kommenden Electronauten wie Chambre oder die Labelkollegen Omnivore, Girl Eats Boy, Slab, The Experiment, Bionic Dog und Si Begg. Letzterer, der einigen vielleicht auch von \"Ninja Tune\" als Cabbageboy bekannt sein könnte, nennt seinen Track mal gleich \"B Boy Of Tomorrow\" und definiert somit das Genre ganz ähnlich wie Omnivore als Retro-Techno-Acid-Electro. Angenehm ist dabei vor allem, daß \"Further Funk\" bei fast allen Beiträgen ohne oberflächliches Gebolzen auskommt und das spielerische Moment stark in den Vordergrund rückt. Mal wieder ganz vorne in Sachen Experimentierfreudigkeit bei gleichzeitig exzellenter Hörverträglichkeit. Best-Buy für Klötzchen-Fans in diesem Monat. Die tollkühnen Männer an ihren quietschenden Kisten ließen auch im letzten Jahr wieder bitten. Mit einem einwöchigen Partyprogramm erbrachte das offizielle \"Electric Cologne\" beim zweiten \"Battery Park\"-Festival auch '98 wieder den Beweis, daß mehr dran sein muß an dem Musikgeschehen in dieser Stadt als bloß der Hype. \"Reprazent!\" ist natürlich auch hier das Stichwort, denn auch die 2er-CD Compilation \"Battery Park Cologne 2.0\" (Harvest / EMI) soll nach außen reflektieren, was in den vielen kleinen Projekten schon lange passiert. Denn neben den in mehrerer Hinsicht \"gewichtigen\" Beiträgen von Szene-Pate Dr. Walker, Khan, Air Liquid oder Frank Heiss sind es vor allem eine Reihe neuerer Producer des \"Liquid Sky\"-Outlets \"Syncom Productionz\", die hier das Geschehen bestimmen. Während also Air Liquid zusammen mit Nik Frost bei \"Eat U Like Candy\" ganz im derzeitigen Old-School Electro-Sound versinken, Dr. Walker mir \"Hoch die Tassen! Ab dafür!\" gewohnt deftig auf die Pauken haut und Colcut, die diesjährigen Gast-Headliner der Abschlußparty, die übrigens für ihr grandioses Set gefeiert wurden, eine wilde Freestyle-Orgie besteuern, lassen die Beiträge von Frank Heiss, M. Flux, L.U.K.L. und Hagedorn schonmal Vorfreude auf die demnächst anstehenden Veröffentlichungen entstehen. Besonders Hagedorns \"Ping Pong\" beweist mal wieder, wie gekonnt sich hier in der ganzen Stadt die Leute die Bälle zuspielen und dabei immer wieder Unglaubliches zustande bringen. Hören und Staunen. Der zweite Teil der akustischen Stadtführer vom \"Max City Guide\" führt diesmal von New York in die nächstgrößte Weltmetropole. Und als Führer durch die Londoner Club- und Musikszene darf diesmal Herr \"Talkin Loud\"-Gilles Peterson auftreten. Kein Wunder also, wenn \"Sound Of The City Vol.2 - London\" (Motor / PV) daher ein wenig zum Geschmäcklerischen tendiert. Modern Jazz, die soften Grooves der Urban Species, viel entspanntes Downbeat-Zeug mit der nötigen Portion Extra-Schick, aber auch die andere Seite mit den sehr souligen Tracks von Songwritern wie John Martyn und Tim Hardin, die sich ganz nett nebenbei hören lassen. Beim Beitrag von Jeffrey Darnell wird das Ganze für meinen Geschmack dann aber doch sehr Mainstream-kompatibel. Ein paar latin-angehauchte Stücke weiter darf dann auch Roni Size mit seinem letztjährigen Erfolgstrack \"Watching Windows\" nicht fehlen. Im Großen und Ganzen regiert hier die wohltemperierter Gefälligkeit, mit Ausnahme des wirklich genialen Eröffnungstracks vom Cinematic Orchestra. (Christoph Büscher)
Themen-Compilations sind immer dann gut, wenn sie sich statt des Versammelns von Repräsentanten irgendeines Stils (\"The Best Of Speed Garage!\") genreübergreifend auf ein komplexeres Thema konzentrieren - auf ein Gefühl oder einen Klang etwa. San Franciscos \"Ubiquity\"-Label (Groove Attack) jedenfalls legt mit seiner Doppel-CD \"No Categories\" schon mal die richtige Grundhaltung an den Tag: \"File under ???\" steht auf der Rückseite der unaufgeregt aufgemachten Kopplung, die fette Beats aus den letzten 20 Jahren sportet. Das reicht von wüsten HipHop von Automator und Kool Keith über DeepHouse von Bobby Matos (im Remix von \"Compost's\" Rainer Trüby Trio) bis zur 73er LatinFunk-Nummer eines gewissen Pucho And The Group. Dicke Hits sind die Produktionen von Skyjuice, die man im Auge behalten sollte, was Ami-Drum'n'Bass betrifft, sowie wieder Bobby Matos, der Pharao Sanders' \"The Creator Has A Masterplan\" covert und von \"Ninja Tune's\" Mr.Scruff remixt wird. Music to watch Girls by (oder Boys). Ebenso Grenre-sprengend, aber diesmal auf der Basis von Wärme und Wuschelbeats, kommt die Compilation des neuen Labels \"Raum...musik präsentiert\" aus dem Frankfurter \"Neuton/Playhouse/Ongaku\"-Umfeld daher: \"Roll that Shit, light that Shit, smoke it\", echot da Method Man bei John Does Track - daran hielten sich die Macher und versammelten deutsche Downbeat- und Electrodub-Produzenten mit ebensolchem Appeal. Das reicht von Gabriel Le Mar über Beanfield und Symphonik a.k.a. C/Rock bis zu Rhytm & Sound w/ Tikiman, Maus & Stolle und sogar Heidelbergs Stieber Twins. Sehr warm, sehr dubby, sehr schön. Manchmal schon zu schön schallt dann die knackig betitelte Compilation des \"Dorado\"-Unterlabels \"Filter\" (Public Propaganda) daher; \"die sich nicht an traditionelle Genregrenzen hält\", so das Infozettelchen: Ob melodischer Drum'n'Bass von Kid Loops oder warmer DeepHouse von DJ Q, \"Elvis Never Meant Shit To Me\" ist durchgängig geschmackvoll und anschmeichelnd geraten. Das beste Stück stammt von The Fire This Time, deren \"I Love Tha Future\" im Click'n'Cycle-Remix die Wolken jedes trüben Winter-Sonnntagmorgens wegblasen kann. Bald wird's Frühling. \"Chinese Whispers\" heißt auf Deutsch \"Stille Post\" und bedeutet, das Prinzip \"Remix\" mal ganz auf die Spitze zu treiben: Das britische Label \"Sprawl\" (SRD) hat sich von den Retro-Chanson-Ästheten Stereolab ein paar Samples erstellen lassen, und diese nach einem genau ausgeklügelten Plan in eine Reihe von Remixern eingespeist. Die erstellten daraus jeweils einen Track, der anonym an den nächsten Teilnehmer weitergeschickt wurde. So tauchen bei den zehn Tracks dann schöne Credit-Reihen auf wie \"(K.Biwas / S.Begg)\" also Bedouin Ascent im Si Begg-Remix, oder \"(M.Paradinas / S.Pyke)\", wenn Mike Paradinas von Freeform überarbeitet wird. Weitere Mitwirkende sind Slang, Subtropic, T-Power, Ultramarine sowie am Ende Stereolab höchstselbst, wenn sie die Reste ihres Werkes nochmal zu einem Exklusiv-Track verweben. Allerdings waren \"Sprawl\" nicht die ersten mit dieser Idee von Kettenbrief-Remixen: \"Law & Auder\" waren mit \"Endlessnissm\" und einer etwas ähnlichen Personalliste vor ihnen da - wenn auch nicht so konsequent anonym. Die interessanten Resultate lohnen das Auschecken für Freistiel-Beat-Freunde aber allemal. (Florian Sievers)
Das Label aus der großen Basic Channel Familie hat für \"Chain Reaction ... Compiled\" (EFA) alte und neue Tracks von z.B. Scion, Substance, Ridis und Vainqueur erneut überarbeitet und zusammengestellt, so daß der Einsteiger nun weiß: Aha, das ist es also, von dem alle unentwegt reden und schreiben. Überblicksvorlesung in Sachen gelebtem Loop. Chain Reaction Produkte sind fett aber reduziert, d.h. die wenigen Klänge, die es gibt, wiederholen sich zwangsläufig. Seien es nun auch Erosions \"1\", Pelons \"No Stunt\" oder Monolakes \"Cyan II\", es wird immer exzessiv in die Tiefe gegangen, knarzige Basslines müssen bis zum letzten Hauch des Todes für die Funktionalität arbeiten und Rhythmusmaschinen bis zum Kabelbrand arbeiten. Nur die Kombinationsart und Prioritätenvergabe wechselt. Ungeschlagener Slammer bleibt aber hier trotzdem das Chain Reaction Frühwerk \"Transits Of Tone\" von Porter Ricks. (Daniel Karg)
Im folgenden ist \"Burning Heart\" (Connected) nur Mutterschiff und \"Still Screaming - A New Noise / Hardcore Compilation\" eher Schweden-HC-Report denn Labelsampler. Mit jeweils einem bekannten und einem bisher unveröffentlichten Stück glänzen hier unter anderem Refused, die gottgleichen Breach, Abhinanda, Nine, Outlast, Within Reach, Seperation und die mir bis dato völlig unbekannten, nichtsdestotrotz aber grandiosen Forced Into. Völlig Melody-frei und nicht nur deshalb uneingeschränkt empfehlenswert! Gehört in jeden was auf sich haltenden \"Sven\". Oder heißt der \"IKEA\"-Plattenschrank \"Lars\" ...? (Christian Kruse)



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aus Intro #61 (Februar 1999)
 
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