Masters of Funk & Soul
»James Brown & The Temptations feat. Dennis Edwards & The Supremes«
Text: Autor unbekannt
ca. 5000 Zuschauer Das Billing ließ auf eine Party im glamourösen Las-Vegas-Stil schließen. Große alte Damen und Herren der Soulgeschichte standen da auf den Plakaten, und auch wenn Diana Ross und Eddie Kendricks nicht dabei waren: wer schaut Profis nicht gerne bei der Arbeit zu? Schließlich hatte auch der Godfather, the hardest working man in business, his bad self, Mr Dynamite, Mister James Brown, den Weg \"wie eine, wie eine, wie eine Sexmaschine\" in die Trabantenstadt in den Suburbs von München gefunden. Doch der Schlachthauscharme des \"Zenith\" war dem Show-Ambiente nicht eben zuträglich, und so geriet der Auftritt der dritten Supremes-Generation nur bedingt zum Erlebnis.
Dennis Edwards kam erst in den Siebzigern zu den Temptations, von ihm und seinen drei Substituten konnten keine Wunder zu erwarten sein. Und doch: im aprikosenfarbenen Einreiher legte das runde Quartett eine heiße Käsesohle aufs Parkett und zeigte, daß keiner der Klassiker (Von \"My Girl\" bis \"Papa Was A Rolling Stone\") etwas von seiner Faszination eingebüßt hat. Die Temptations zeigten, was in den Sechzigern den unwiderstehlichen Charme von Motown ausmachte. Die Mittfünfziger versprühten Lebensfreude, zeigten Beweglichkeit und groovten virusartig. \"All what he left us - was alone\" - die cleverste Zeile eines modernen Popsongs. Die Eleganz und Abgebrühtheit dieses Verses spiegelte sich in jeder Sequenz der Temptations-Show wider. Die Temptations beherrschten das Spiel mit den Hits, der Koketterie des Alterns und der Schönheit einer vollen Soulstimme. Ihr Auftritt - ein Highlight.
Als der Gottvater mit seiner in Tiefrot gehüllten Garde anrückte, ging ein Schaudern durchs \"Zenith\". Denn James Brown ist nach Elvis Presley noch immer der spektakulärste Showact, den die USA jemals hervorgebracht haben. Der Hurensohn aus Augusta, Georgia legte vor - besser: er ließ vorlegen, von seinem mit ihm gealterten Conférencier und seiner optimal eingespielten Band. Weltmännisch, wie immer. Im grünen Paillettenkostüm, auf dem Kopf die unkaputtbare Glitzerperrücke, an den Füßen die ewig shuffelnden schwarzen Boots. Er rauschte durch sein Programm, wie gewohnt eine Melange aus Sessionkinkerlitzchen, Instrumentalistengepose und Hits, Hits, Hits. Wenn der fast Siebzigjährige nach Luft rang, sprang die Band ein. Die Gesten waren eindeutig - er kann noch immer überall. Die Indizien sprachen gegen ihn. Auch ein James Brown kommt in die Jahre.
Das große Finale mit einer 15minütigen Version von \"Sexmachine\" verbrachte der Altmeister weitgehend am Keyboard und überließ die Gesangsparts einem Kollegen. Zur Zugabe traf sich die gesamte Belegschaft noch einmal zur Jam-Session: \"Say James Brown, say James Brown, say James Brown\", trieb ein sichtlich bewegter Dennis Edwards an der Schulter von \"Mr Dynamite\" die grölenden Massen an. Danach war Schluß, der Glitzer mit einem Paukenschlag dahin. Zurück blieb das Gefühl, eine Legende gesehen zu haben, der das Altern allmählich Probleme bereitet und die trotzdem mit würdiger Coolness das Showbusiness lebt. Vielleicht hat James Brown das Glück, auf der Bühne zu sterben. Sie ist seine Auster. Verdient hat er's: Er ist und bleibt des Souls feinste Ikone. Hoffentlich kommt nicht wieder der Knast dazwischen. Sein ewiges zweites Zuhause!!!
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