Wheat
»"Medeiros"«
[Sugar Free / Cargo]
Text: Autor unbekannt
[4 Kommentare]
Jetzt ist es soweit: clevere Mainstream-Alben, die das indiehaft gepflegte 8-Spur-Recording für ihre Zwecke absorbieren. Bei Wheat vermengen sich so im Mittdreißiger-freundlichen Midtempobereich Amerikanismen US-spezifischen Pops mit Beatles-Tradition. Irgendwie Pop für verträumte Bürokauffrauen, die so einen ganz tollen Freund haben, der Eels hört. Solide Popmusik, die aber im Verlauf dieses soliden Albums nun mal zu kontinuierlich in soliden Radioformaten für solide Hörerschichten verharrt und bei solidem Songwriting in seiner soliden Zeitlosigkeit oft in solider Belanglosigkeit zu ertrinken droht. Solide - aber eben halt nicht solid as (a) rock.
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takaplus 05.05.2002 | 22:24:03
wheat vermitteln emotionen und das nicht nur für "Bürokauffrauen" die songs sind jeder für sich kleine ungeschliffene diamanten und vom sound mit keiner "soliden mitdreissiger" band zu vergleichen. ich glaube du hast wirklich nichts verstanden. das ist LOFI!!!!
snorristurluson 06.05.2002 | 00:54:35
Der Rezensent Martin Schmidt (der Skispringer?) will uns veralbern. DAS kann er nicht ernst meinen.
snorristurluson 06.05.2002 | 01:18:26
Lassen wir ihnen Gerechtigkeit in Form einer Spex-Rezension zum großartigen Album Hope & Adam zukommen:
Musik, die schmerzt. Nicht weil sie laut wäre, oder aggressiv, nicht weil ein überdrehter Bass die Bauchdecke in schwer erträgliche Schwingungen versetzte. Wheat machen traurige Musik. Nicht bodenlos und verzweifelt, aber auch nicht in einer gepflegten, sittsamen Melancholie, die den Status der Salonfähigkeit erlangt hat. Sie singen über verlorene Liebe und abhanden gekommene Identität, doch der Moment der Verzweiflung liegt bereits hinter ihnen. Die Traurigkeit, die sie zelebrieren, ist
eine in sich zurückgezogene, nachdenkliche, die Klarsicht erzeugt. Vergangenes wird resümiert und konstatiert, wandelt sich zu einer Form der abgeklärten Akzeptanz. Wheat setzen einen Fokus, der zum Brennglas wird, lassen Gefühle zu Wahrheiten gerinnen. Was inhaltlich offenbar ist, findet seine Entsprechung in Struktur und Aufbau der einzelnen Songs. Die Besetzung der Band ist wenig spektakulär - Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Das Rüstzeug der durchschnittlichen Postrockband, zusammengeschnürt von einem Traditionsbewusstsein, das keine Scheu vor
Modernisierung qua Samplereinsatz hat. Was Wheat aber weit über den Durchschnitt erhebt, ist die Feinheit, die Achtsamkeit, die sie ihrem Material zuteil werden lassen. Klare Arrangements, meistens Midtempo, keiner, der im Weg stünde oder sich in den Vordergrund drängte. David Friedmann, der auch Mercury Rev und Mogwai produziert, hat Hand angelegt und so gebührt ein Teil meiner Begeisterung sicherlich auch ihm. Songs wie "Raised Ranch Revolution" bestreiten weite Strecken
ausschließlich instrumental, ohne das Gefühl eines Mangels aufkommen zu lassen. "San Diego" ist reich orchestriert, an eben den Stellen, an denen man den vorangegangenen Text im Kopf mit Bildern bestücken kann. Sie zitieren in "Body Talk (part 2)" Paul Simon, dass er vor Stolz erröten müsste. Selbiges gilt für "Roll the Road", das an Tom Pettys "Free Falling" erinnert, aber diesem
mittelmäßigen Mist zu spätem Ruhm verhilft. Wheat bereiten heilsame Schmerzen, die zu ertragen man gerne bereit ist, den man mit einer Mischung aus Staunen und Gelassenheit wahrnimmt, wissend, dass er, einmal durchlitten, in ein besseres Morgen führt.
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