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»Henry Rollins«
[15.11.98 - Berlin, Passionskirche / VÖ: 25.11.2004 ]
Text: Autor unbekannt
Zuschauer: ca: 400
Was passiert, wenn man Ozzy Osbourne seine Band wegnimmt? Er ist ein bedauernswertes Häuflein Unglück. Was passiert, wenn man Henry Rollins, dem größten Ozzy-Fan des Universums, die Band wegnimmt? Er bäumt sich auf und wird Henry Rollins. Der Kopf der Rollins Band hat nicht nur Kraft und Ausstrahlung, er hat auch Geist, Geschmack und Intellekt. Deshalb kann er ohne Weiteres seine Muskeln zu Hause in L.A. lassen, sich in gepflegtes Grau kleiden und über zwei Stunden lang von seinen Erfahrungen als Mitglied der internationalen Rock'n'Roll-Community erzählen. Was hat er sich nicht manchmal zum Löffel gemacht, wie hat er zuweilen versagt, wenn es gerade darauf ankam, den großen Rollins rauszukehren, und was bereitet es ihm heute für Vergnügen, all seine Schwächen ans Publikum weiterzugeben.
So hat ihn, den Mister Tough Guy, noch niemand gesehen. Wie er zugibt, sich unendlich geniert zu haben, als er in einem B-Picture eine Nacktszene darstellen mußte. Oder wie oft er sich mit amerikanischer Großkotzigkeit in daumenschräubliche Situationen geritten hat. Von seinen Manuskripten macht er keinen Gebrauch. Er erzählt einfach nur, erzählt, erzählt, erzählt. Die Wahrheit, wie er später bekennt. Es sind Rekonstruktionen ganz alltäglicher Situationen, die die Distanz zwischen ihm und dem Publikum von Minute zu Minute verringern. Ein wenig erinnert er an einen Prediger, der seine Zuhörer mit Mut, Kraft und Zuversicht vollpumpen will. Henry Rollins ist ein Macho der Worte. Die Vorstellung, daß er sonst, schwitzend und Tattoo-übersät, halbnackt am Bühnenrand auf und ab schreitet, um seine tonnenschweren Parolen ins Publikum zu schleudern, fällt mehr als schwer. Als er endlich fertig ist, hat man den Eindruck, Rollins schon seit Jahren intim zu kennen. Ja, er ist zu einem Teil eines jeden Besuchers geworden, denn er hat offen ausgesprochen, was wir alle schon mal gern loswerden wollten, uns aber nie zu sagen getraut haben.
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