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»JAY JAY JOHANSON«

[27.10. - Köln, Tingel Tangel]

Text: Autor unbekannt

Ganz Europa liegt JAY JAY JOHANSON zu Füßen - der sympathische Schwede kann's selbst nicht so ganz verstehen. Dabei schafft er - scheinbar mühelos -, was andere vor ihm vergeblich versuchten: eine universell begreifbare Musik. Daß die Sache gerade auf unserem Kontinent so gut ankommt, hat ihre Gründe. \"Klingt das nicht wie JULIO IGLESIAS?\" murmelt es aus dem Publikum, oder: \"Ist ja eine tolle Mischung zwischen PORTISHEAD und JAQUES BREL\", ein anderer will MORRICONE heraushören. Fakt ist: JOHANSON ist - live wie auf Platte - schwer zu fassen, aber einfach zu begreifen, und bietet für jeden etwas.
Mit drei Musikern tritt er auf: mit einem virtuosen Keyboarder, der souverän zwischen jazzigem E- und klassischem Grand-Piano wechselt, einem Gitarristen, der allerdings so ambientmäßig spielt, daß man ihn für den Teil der Dekoration halten kann, und einem DJ, der sich in pfiffigen Zwitscher- und Blubber-Geräuschen und vielseitigen Beats ergeht.

Diese Zutaten werden - bewußt und gezielt - in einem Meer von Delays, Echos und Reverbs ertränkt, was der Performance eine beinah schon unwirkliche Qualität verleiht. Und darüber - oder darunter, dahinter, davor, mittendrin - JOHANSONs filigraner, melodiöser Gesang, stets Anker und Drehpunkt aller Kompositionen und somit trotz aller TripHop-Einflüsse stilbildendes Element des ganzen Unterfangens.
JOHANSON selbst hält seine Stimme für eher unscheinbar. Auch ist der anämische Mann nicht eben ein geborener Performer. Was also macht die Faszination dieser Darbietung aus? Daß es JOHANSON spielerisch schafft, seine altmodischen Jazz-Songs mittels moderner Soundkonstrukte auf ein völlig neues Level zu heben? Oder daß er es versteht, all diese Effekte stets im Sinne des Songs einzusetzen, so daß niemals die übliche Dancefloor-Monotonie aufkommt? Vielleicht. Vor allem ist es wohl des Mannes Mut, trotz aller Limitierungen (Gesangstechnik, Überrumpelung durch die englische Sprache, begrenzte instrumentale Fähigkeiten) stets ans Limit des Möglichen zu gehen. Da überrascht es kaum mehr, daß die Zugabe in einen von drei Gitarren getriebenen harten elektronischen Rocker ausartet.



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aus Intro #60 (Dezember 1998 / Januar 1999)
 
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