BEWERTEN
 

CANIBUS

»Can-I-Bus«

[Universal / VÖ: 15.09.1998 ]

Text: Autor unbekannt

Es dreht sich wie immer um die Kluft zwischen Theorie und Praxis: Da hat man sich jahrelang einen erstklassigen Ruf als toughester Battle-MC im HipHop-Universum aufgebaut (und diesen auch mit Zehen und Klauen verteidigt), für die Debüt-LP unentwegt nach ungewöhnlichen Samplequellen gebohrt (THE LA BOPPERS, die \"Interlude #2\" von BOBBY WOMACK und Phillys Finest MFSB) und sich mit Produzenten wie SALAAM REMI und CLARK KENT adäquate Handwerker in die erstklassigen Studios geladen - wie also kann \"Can-I-Bus\" da zur Riesenenttäuschung mutieren? Die richtige Antwort hat sechs Buchstaben, Dreadlocks und wird synonym mit \"Größenwahn\" benutzt. Commander WYCLEF JEAN (richtig geraten!) und sein stets getreuer Sergeant JERRY WONDER haben hier genau das zuviel gemacht, was sie bei dem anderen Refugee-Camper - JOHN FORTE - vielleicht zu wenig taten: sich eingemischt nämlich! \"Can-I-Bus\" läßt fast vergessen, daß der junge Mann aus New Jersey ursprünglich als Group Home / Lost Boyz-Protegé und ungekrönter Mixtape-MC-König ins HipHop-Rennen ging.

Die \"Niggonometry\" von CANIBUS kann inmitten eines gehauchten R&B-Klischees (auf der Muttertags-Single \"I Honor You\" oder auch auf \"Hype-nitis\") eben weitaus weniger zum Tragen kommen als noch beim TYSONschen Ohrenabbeißer \"Second Round K.O.\" oder dem tempi-switchenden \"How We Roll\"-Verbalrundumschlag (ebenso KENT-maßgeschneidert wie das visionäre \"Channel Zero\"). Da steht der Mann virtuell-verbal vor den Toren des \"Buckingham Palace\", raucht sein Reefa und erstarrt derweil in seiner eigenen Attitüde. \"Let's Ride\" schon, aber wer sagt wohin? Und wer kommt auf derart dämliche Rock-Bratpfannen-Ideen wie \"Rip Rock\"? Das kann eigentlich nur dieselbe Person sein, die derzeit auch FREDDIE MERCURY zu Hochtouren im Grab rotieren läßt! \"Another One Bites The Dust\" bleibt somit eher eine Prophezeiung für ein weiteres Opfer des eigenen Hypes. Denn eins haben CANIBUS und das von ihm - dank seines vermeintlich futuristischen Antlitzes - zu einem der zentralen LP-Topics erhobene Medium Internet gemeinsam: beide versprechen (momentan) mehr, als sie eigentlich halten können, und bleiben eindimensional. Muß man nun Mitleid haben? Wir warten jedenfalls auf die Emanzipation von CANIBUS und werten statt dessen all das als Werbung für LLs kommendes Album.



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