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Tsunami

»MANIC STREET PREACHERS«

[August '98 - Irland, Cork, Opera House / County Meath, Slane Castle Festival / VÖ: 05.07.1999 ]

Text: Autor unbekannt

Als einer von drei Irland-Gigs und vorletzte Club-Show vor dem Start der Stadion-Tour zum aktuellen Album \"This Is My Truth, Tell Me Yours\" war die Halle in der südwestirischen Metropole natürlich bis auf den letzten Platz ausverkauft, als das durch einen Keyboarder verstärkte Trio die Bühne enterte. Im Laufe des gut zweistündigen Sets wurde das neue Material auf Herz und Nieren getestet, wobei sich die Hittauglichkeit von Songs wie \"The Everlasting\", \"If You Tolerate This ...\" und \"Tsunami\" hundertfünfzig Prozent bestätigte. Obwohl das Album noch gar nicht im Laden stand, schien das Publikum bis zum letzten Mann die Refrains mitzusingen, als handele es sich um Klassiker wie \"Motorpsycle Emptieness\" oder \"Design For Life\" - um die natürlich auch nicht lange gebeten werden mußte.

James Dean Bradfield fegte wie ein kakifarbener Wirbelwind über die Bühne, führte an die dreißigmal die bradfieldsche Pirouette vor, kam auch, als die Schweißflecken unter seinen Achseln sich nach anderthalb Stunden in eine Ganzkörper-Überschwemmung verwandelt hatten, noch nicht ins torkeln und kommunizierte darüber hinaus, zwar kurz angebunden, wie von ihm gewohnt, aber doch über die Maßen heiter mit dem Publikum, während Nicky Wire sich erst einmal hinter der obligatorischen Sonnenbrille verschanzte, um dann allerdings recht flott, im Verlauf von drei oder vier seiner staksigen Luftsprünge, ein für seine Verhältnisse schon fast überzogen sonniges Lächeln aufzusetzen und mit den ersten Reihen im Publikum zu kokettieren. Die Frontleute zeigten sich also ausgesprochen aufgeräumt, während das Schlagzeug präzise treibend den Rest erledigte. Selbst die Keyboards beschränkten sich darauf, den Sound etwas fülliger zu halten, ließen den Bombast des Albums locker hintenüberfallen und trugen so ihren Anteil dazu bei, daß die MANIC STREET PREACHERS sich an diesem Abend als gut geölte Rockmaschine mit Attitüde präsentieren konnten - und nichts steht ihnen so gut wie das.
Am nächsten Abend dann ein Ambiente, wie es schöner kaum sein kann. Rund achtzigtausend Menschen haben sich in der Talsenke unterhalb des Landsitzes des Lord Of Slane in der einsetzenden Dunkelheit wie in einem natürlichen Amphitheater versammelt. Die Waliser sind der Co-Headliner dieses größten irischen Festivals. ROBBIE WILLIAMS hat vor ihnen nach einem frenetisch gefeierten Set die Bühne verlassen, und THE VERVE werden diese nach ihnen betreten, um ein Set zu spielen, das Gerüchten zufolge ihr letztes sein könnte. Dem an den Bühnenrand tretenden James Dean Bradfield scheint die gestrige Aftershow-Party noch in den Knochen zu stecken, eine Mutmaßung, die sich auf die ganze folgende Show übertragen läßt: Das Set wird routiniert und ohne Abstriche durchgezogen, der Spielspaß aber, der am Vorabend ständig durchblitzte, läßt sich heute nur an einigen wenigen Momenten ausmachen, die eher halbgare Unterstützung seitens des Publikums, das offensichtlich zu großen Teilen für ROBBIE WILLIAMS angereist ist, tut ein übriges. Nicky Wire spricht es schließlich aus: \"You are so young.\"
Wir in Deutschland allerdings haben eine Chance, um die uns jeder dritte Engländer beneiden wird: wir können die MANIC STREET PREACHERS erst einmal weiterhin Clubs rocken sehen. Und das lohnt, aber hallo.



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