Christian Schmidt
»Wir sind die Wahnsinnigen. Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang«
Text: Autor unbekannt
Wenn von einem aktiven Politiker mitten im Wahlkampf eine Biographie erscheint, dann ist dies entweder eine Lobhudelei von politischen Freunden oder eine Demontage durch seine Feinde. Auf den ersten Blick erscheint das von Christian Schmidt geschriebene Buch über Joschka Fischer und dessen politische Weggefährten als eine jener Ansammlungen von Wahlkampfmunition für dessen konservative Gegner. Der ehemalige Titanic-Redakteur Schmidt hat über ein Jahr in Archiven, Bibliotheken und mit Interviews zugebracht, um den politischen Weg Joschka Fischers von 1968 bis kurz vor sein jetziges Staatsamt nachzuzeichnen. Dabei spart der Autor wenig aus: etwa, daß Fischer '68 seinen Lebensunterhalt erwirtschaftete, indem er Bücher klaute und auf dem Uni-Campus günstig weiterverkaufte.
Schmidts Erzähl- bzw. Schreibstil ist jedoch ein anderer, wie man an dem mittlerweile legendären Buch \"Die letzten Stunden des Herrn K. - Frühe dramatische Texte für Abiturfeiern\" (Weisser Stein, Vertrieb über Edition Belleville) oder seinen \"Briefe[n] an die Leser\" in der Titanic überprüfen kann. Genau diesen, für kurze Polemiken gut geeigneten \"Briefe an den Leser\"-Ton des moralisierenden, linken Chefanklägers wählte der ehemalige Marxist Schmidt für seine Fischer-Biographie, wodurch er nach über 300 Seiten den mitleidig ermüdeten Leser auf die Seite des \"Angeklagten\" treibt. Schmidt lockte auch die Medien in seine Falle: Der SPIEGEL und die FAZ etwa traten mit Informationen aus diesem Buch eine Diskussion um Fischers Vergangenheit los, die noch dem letzten inzwischen angepaßten Ex-Systemgegner - und damit potentiellen Grünen-Wähler - klarmachte, daß Fischer einer der ihren ist und zu wählen sei. Im Endeffekt wurden wir so u. a. Innenminister \"Stahlhelm\" Kanther los. Oder, um den erfahrenen Dialektiker Schmidt aus einem früheren Text zu zitieren: \"Cui Bono? Klingt zwar komisch, ist aber heute noch eine gute Frage.\"
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