BEWERTEN
 

BRANCOS SINGLE CORNER

»Zu Gast: Winnie Schäfer«

Text: Autor unbekannt

B-ABUSE

Und Dennoch Überspringe Ich Zeiten

(Rex Rotari, Försterstr. 38, 66111 Saarbrücken)


W: Ich finde, das ist die richtige Musik, wenn man sich vom Hochhaus stürzen will, aber sich nicht recht entscheiden kann. Super-Depro-Hardcore.

B: Murmel aus dem Eis. Kam mir ziemlich lang vor irgendwie, vielleicht die B-Seite auf 45? Jetzt kommt der deutschsprachige Text. Mal sehen, ob man was verstehen kann.

W: Schwierig zu unterscheiden, ob das deutsch oder englisch ist.
B: Letztes Mal war Jogi Löw da. Wie fühlt man sich, wenn man einen Kollegen weggeboxt hat?

W: Ich finde, er war ein Weichei.
Deshalb sind auch die Frauen so auf ihn gestanden. Ich glaube, das ist einer, der ein langes Vorspiel hat, und der Fxxx ist dann doch recht kurz.

B: Wie ist das mit deiner Frau? Man sagt ja, sie habe in Karlsruhe den Verein geführt. Gibt's jetzt auch schon Ambitionen, nachdem Mayer-Vorfelder ja DFB-Präsident werden will?

W: Ehrlich gesagt, meine Frau macht's wie die Frau Seeler, und die hat das schon richtig gemacht. Dein Tip für die WM?

B: Schwierig. Brasilien, Holland, England ...
W: Ich gebe nur einen Tip ab, wer Weltmeister wird, nämlich ... [vielsagende Pause] Jamaika. Weil es die einzigen sind, die den Tag der Qualifikation zum Nationalfeiertag erkoren haben.

B: Die nächste, bitte.

GREAT UNWASHED

We Are Red Eye Express

(contact: Joe Kauer, In der Kuhle 4, 42555 Langenberg)

[Meeresrauschen]
W: Das mag ich schon mal.
B: Aha. Instrumental RAMONES, Gesang ...
W: ENGLISH DOGS. Oder GBH.
B: Na ja, das mit den RAMONES nehm' ich zurück. Vielleicht DAMNED auf 45. Jetzt wird's wütender.

W: Das ist schon besser.
B: Wie schneidet Karlsruhe ab nächste Saison?
W: Steigen auf.
B: [kann sich eines Lachens nicht erwehren] Ernsthaft?
W: [sehr bestimmt] Ja. Haben brutal viel Kohle.
B: Aber Jörg Berger und nicht Winnie Schäfer.
W: [gönnerhaft] Andere können auch was.
B: Gönnerhaft in Klammern.
W: Ich habe mich geändert, will versuchen, das Badische abzulegen. Das kommt in Stuttgart nicht so an.

B: Wie gehst du eigentlich mit deinen Stimmbändern ins Trainingslager vor der Saison?

W: Ich habe mir so ein Inhaliergerät zugelegt, weil das schon erhalten bleiben muß. Das Schreien auf dem Platz ist wichtig.

B: Aber du glaubst nicht wirklich, daß das etwas bewirkt?
W: Nein, aber die eigenen Endorphine ...
B: Ist das schon Rockabilly?
W: [empört] Neeeeeee.
B: Also, es gefällt dir?
W: [blickt wieder von seiner Lektüre auf mit einem Lächeln] Neee. [nach längerer Pause] Ich glaube, das ist sogar scheiße, wenn ich ehrlich sein soll.

B: H-A-D? Über Akkordfolgen habe ich mir auch noch nie Gedanken gemacht. Aber so ...

W: Das ist wie eine Coverversion machen, nur etwas besser. Du nimmst etwas Bekanntes, setzt es neu um, weil es ins Ohr geht.

B: Interessant. Geht es ins Ohr?
W: Neeee.

HARALD \"SACK\" ZIEGLER & FRANK SCHÜLTGE \"BLUMM\"

Die Fünfte Dengelophonie

(Dhyana Records, Bernd Spring, Carl-Schurz-Str. 29a, 86156 Augsburg)


B: Was liest du da eigentlich die ganze Zeit?
W: Intro regional.
B: [Vibraphon] Schön.
W: Paßt in die heutige Zeit. Das beste bisher.
B: Wobei das für Ziegler fast schon Pop ist. Auszug aus der Instrumentierung: Ton-Topf, gymnastischer Sitzball, batteriebetriebene Schlüsselanhänger, E-Bass mit Modellbaumotor gespielt. Und: eine dicke Illustrierte.

W: Und man hört das nicht heraus.
B: Ich finde das super.
W: Ich finde, es ist nicht billig.

CHESTER

Lovecake

(Day-Glo, Probsteigasse 44-46, 50670 Köln)


W: Die zuerst: Sie bedanken sich beim 1. FC Köln. Das lob' ich mir. Eine Single ohne Input. Mit Insert. Laß uns indiemäßig mit Seite zwei anfangen. Und auf konservativen 45. Super. Aber sie haben auf jeden Fall das blödeste Cover.

B: Die typische Seite-zwei-Ballade?
W: [schmilzt dahin, inlay-inspizierend]
B: Hey Jungs, das gibt Punktabzug, ein CD-Info als Beilage für eine Single.
W: Mir wird schlecht, darf ich umdrehen?
B: [Harmoniebogengalore] Aber hallo.
W: [shouting loud] Ich find', die Single riecht nach Radio.
B: Es gibt nichtkommerzielles Radio?
W: Aber die haben meistens einen ganz korrekten Musikgeschmack.
B: Eben. Ich MUSS jetzt ein paar Namen einwerfen: SMASHING PUMPKINS, PIXIES, BOO RADLEYS ...

W: Davon distanziere ich mich. Schlimm. Die Bands finde ich gut, und das haben sie nicht verdient.

B: Ich war noch nicht fertig. Sie wollen so klingen. MILES? Nur eben, und das muß ich betonen, meilenweit entfernt von der großen Klasse.

W: Das kann ich nicht so stehenlassen.
B: Jetzt kommt der Nachwuchstrainer.
W: Sie wollen nach England klingen.
B: Ohne Gascoigne. Mit Ginger.

KILLFLAVOUR

Killflavour

(Rex Rotari, s. o.)


W: Gefällt mir ganz gut.
B: Schade. Eine schlechte Produktion, gutes Material.
W: Eine typische Indieproduktion. Die Gerätschaften, die den Druck verstärken, sind nicht da.

B: Wie beschreibt man so was?
W: Auf jeden Fall ist es was Sozialkritisches. Er hat gerade society gesungen.

B: Wie du so was verstehen kannst.
W: Das Badische ist dem Englischen ähnlich.
B: [murmelt] Der Druck geht verloren. Wie damals beim KSC.
W: Allerdings.
B: Liegt das an der Produktion? Ich habe den Eindruck, das will Emo-Core sein und endet in Punkrock.

B: Der VfB holt den UEFA-Cup nächste Saison, habe ich gehört.
W: Sicher. Nicht nur das. Wir werden auch Meister.
B: Wie wird es dir ergehen, wenn du zum Auswärtsspiel nach Freiburg fährst?
W: Mache ich nicht. Lasse mich durch den Co-Trainer ersetzen. Krank, oder so. Die Musik ist gut, aber der Gesang gefällt mir nicht.

B: Sind Winnie Schäfer-Fans und schreien deswegen. Noch ein Schlußwort?
W: Da muß ich nachdenken. Ich will es mir nicht wieder verderben. [Stunden später, aus dem off] Ich mag die ALABAMA KIDS.

B: Danke für den Besuch und Gruß an die Familie.



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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