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»Largo«
[Kitty-Yo / V2 / VÖ: 27.07.1998 ]
Text: Autor unbekannt
Ich weiß, daß ich diese Platte nun schon so lange höre, daß ich ihr inzwischen vollkommen oder überhaupt nicht mehr gerecht werden kann. \"Love Supreme\" hatte schon mal die Kraft, meine Stimmung - zugegeben, gutes Wetter war auch - so zu verstärken, daß ich alles andere liegen lassen mußte, sobald dieses wunderbare Duett aus den Membranen floß. Seit CLOWNS UND HELDEN darf man den Satz \"Ich liebe dich\" nicht mehr in deutscher Popmusik verwenden. Nun, diese Regel wurde aufs schändlichste mißachtet. Aber auch der Tritonus, ohne den WAGNER und STOCKHAUSEN als Kaffeefahrtenanimateure geendet wären, war schließlich mal der diabolus in musica. Hoffen wir also auf die eine neue \"Naive Revolution\", auf den Befreiungsschlag gegen die Geißel des Zynismus' und der Coolness.
Schließlich gibt es mit
GO PLUS gut Kirschenessen im weiten Garten der Gefühle. Schmeichelhaft (vor-) getragene Schlaggitarrensongs mit viel Popappeal (geschmackvoll innerhalb eines halben Jahres von CPT. KIRKs Tobias Levin in Szene gesetzt) und viel Mut zu ehrlichen Bekenntnissen. Das tut nicht weh, hat man es erst einmal verstanden. Und Pit versteht es, seine Texte so ganz nebenbei zu singen, als ob \"nichts dabei wäre, eine Platte aufzunehmen.\" Er klingt nicht wie andere, versucht es auch nicht, und das läßt seine Stimme eigen und gut klingen, hat man sie erst einmal verstanden. Warum ich das mit dem Verstehen so betone, frage ich mich später. War wahrscheinlich so, beim ersten Hören, denn auch ich bin Zyniker und genormt. Wenn's nicht so klingt, wie's soll (sprich woanders tut), stimmt erst einmal was nicht.
GO PLUS rütteln mich Schläfer wach, denn sie klingen insgesamt ganz anders. Mögen keinen Krach mehr. Schon live zu \"La Montanara\" gab es das Problem, daß sie sich so gar nicht aufdrängen, wenn sie Lieder für Leute spielen. Hauptsache, man hört ihnen zu und klettert für eine Stunde in Songs, die von Sehnsucht handeln und auch so klingen (\"Haut\"). Man kann sich auch leicht im stoisch weiten \"Tagebau\" oder \"Ducktales\" verlieren. Möchte auch \"Völlig Leer\" werden, findet auch, \"Es Ist Gut\", einen Tag am stürmischen Strand zu verbringen, einfach, weil man es mag und dann darüber erzählt. Die septimenreiche Verjazzung mancher Akkorde schafft Heimeligkeit, da bleibt distinguierte Teetrinkerstimmung, aus dem Ärmel geschüttelt, dabei erwachsen und für die Ruhe nach dem Sturm. Nah dran - Musik, die schnell persönlich wird - großartig - viel Glück und ruft mal an.
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