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WORLD STANDARD

»Country Gazette«

[Asphodel / RTD / VÖ: 05.05.1998 ]

Text: Autor unbekannt

Alle Cowboys herhören! Es gibt keinen Grund zum Weinen mehr, denn hier kommt einer, der hat die alte Steelguitar entstaubt und in das Umfeld des hippen New Yorker Illbient-Labels \"Asphodel\" verpflanzt. Normalerweise mixt hier DJ SPOOKY seinen holographischen Dub, scratchen die X-ECUTIONERS für die Zukunft von HipHop, aber WORLD STANDARDs Banjo-Ambient toppt einfach alles bisher Dagewesene. Der Mann, der hier Versatzstücke aus Country, Ragtime, Bluegrass und Rhythm'n'Blues zu modernen Klangcollagen verbindet, ist natürlich mal wieder Japaner. Haruomi Hosono ist seit mehr als dreißig Jahren in der japanischen Jazz-/Avantgarde-/Pop-Szene bekannt, gründete das YELLOW MAGIC ORCHESTRA und hat in letzter Zeit mit BILL LASWELL, ATOM HEART und TETSUO INOUE zusammengearbeitet.

\"Country Gazette\" klingt dabei wie ein Feldversuch in angewandter Musikethnologie, nur daß der Blick hier eben nicht in die Ferne schweift, sondern sich ganz bewußt der \"American Primitive Guitar\", der amerikanischen Folk- und Westerntradition zuwendet. Hosono greift auf, spielt damit und interpretiert Sachen einfach um, soviel es ihm Spaß macht. Elektronische Klänge tauchen dabei zwar auf, spielen aber Nebenrollen. Was die Songs auf \"Country Gazette\" so neu und aufregend macht, ist vielmehr die Art der Verwendung und Verschränkung bestimmter Stimmungen und Phrasen. Roots und Avantgarde treffen sich auch hier ungefähr da, wo sich ein \"echter\" Folkkünstler wie JOHN FAHEY gerne aufhält. Altes klingt neu, wenn z. B. \"Silent Homecoming\" oder \"My Low-Chuned Banjo\" kunstvolle, feine Gewebe entstehen lassen und sich Klänge einschleichen, in denen westliche Saiteninstrumente und ihre fernöstlichen Brüder (z. B. das Koto) nicht mehr eindeutig voneinander zu unterscheiden sind. Dieser umgekehrte Kulturkolonialismus funktioniert so perfekt, daß hier fast schon Ideen einer neuen Weltmusik aufkommen könnten, würde sich Hosono nicht gelegentlich auch kleine Späße mit den Western-Klischees erlauben, wie etwa das HANK WILLIAMS zugeschriebene SpokenWord-Stück \"Cowboys Don't Cry\". Ganz große Klasse. Ein sehr erhabenes und fast schon spirituelles Album. Manches leuchtet eben erst dann so richtig, wenn man es aus der Ferne betrachtet. Und \"Country Gazette\" strahlt meilenweit.



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