BEWERTEN
 

DEAD MAN RAY

»Berchem«

[Heavern Hotel / Cargo Records]

Text: Autor unbekannt

Es war ein hartes Jahr für Belgien. Doch auch dort liest man manchmal Kafka. Der Bogen zur Band ist geschlagen. Nicht sehr jugendlich wirkt \"Berchem\", eher die gute alte Zeit zitierend, im Cover sieht man das Sammelsurium aus Instrumenten und Utensilien, mit denen das Album zusammengebastelt wurde, heilloses Durcheinander und schon ein Statement über die Musik und zur guten alten Zeit des Homerecordings mit 4- und 8-Spurdecks. Die vier Herren nehmen sie mit ins Jetzt - \"loopen Drums\", eine Formulierung, die sie erst lernen mußten. Nun nennen sie es \"Prepop\" oder wahlweise \"Nofi Techno\" (oder auch eher wahnwitzig \"Tripfolk\"), was da auf diesem wunderschön umfalteten Longplayer eingebrannt ist.

Musikalische und stimmliche Zitate: WAITS, PIXIES, IGGY, SONIC YOUTH, Disco, New Wave. Doch, sie klingen schon modern, aber eben aus einer modernen Rumpelkammer heraus. Emotional bewegend durch ihren mit einer Staubschicht überzogenen Blues in \"6-Pack\", aggressiv durch schepperndes Up-Tempo in \"WW3\", ambientesk hypnotisierend im viertelstündigen \"Copy Of 78\", melancholisch mit Gebläse in \"Perfo\", nostalgisch im Einwurf \"Stool\" (der hier benutzte Sample einer knarrenden Tür kann für die diffenrenzierte Herangehensweise des Albums stehen, denn diese Tür fällt nicht ins Schloß, wie jede andere es getan hätte. Wenig populistisch also, müßte was für Herrn Volkmann sein, der ja auch GOMEZ toll findet), kurz: stimmungsbeladen in jedem Schipsel ihrer Musik. In der Besetzung aus drei Gitarren (mit 243 Koffern voller Analogeffekte) und einem Schlagzeuger geht in diesem Fall mehr als Gedudel, Überraschendes von Song zu Song bleibt möglich, findet statt. Überhaupt findet die Musik jedes Mal statt und gibt jedes Mal neue, charmante Dilettantismen preis. Wenn erst das positiv pathetische \"Babydoll\" sein Finale, nicht ganz sauber klingend, in den Raum ergießt, steht mir ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Vielleicht gefällt mir hier das, was ich an frühen JESUS AND MARY CHAIN scheiße fand. Das retardierende Moment? Die delikate (Zer-) Störung? Letzte Fragezeichen inmitten von No-Fidelity-Charme. Diese Platte will mein Freund sein, einer mit Spleens. Davon habe ich noch nicht genug, komm ruhig rein.



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