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»SMASHING PUMPKINS«
[14.05. - Hamburg, Reeperbahn]
Text: Autor unbekannt
\"Dance to the radio\", lautet ein Textfragment des letzten Songs an diesem wunderschönen Abend im Mai. Er entläßt uns in die häßliche Realität, in den Alltag. Für knapp zwei Stunden waren alle Regeln außer Kraft gesetzt. Menschen kletterten auf Dächer, Fremde umarmten und küßten sich, die Reeperbahn stand still und Kopf. Wegen der BEATLES. Irgendwie. Denn so wie der bereits erwähnte letzte Song Hommage an JOY DIVISION war (\"Transmission\"), war die Auswahl des Ortes Hamburg darin begründet, daß die Pilzköpfe aus Liverpool ihre Karriere hier begannen. So erzählte Glatzkopf Corgan auf der Pressekonferenz vor dem Ereignis und gab die Bandauftritte an ungewöhnlichen Orten als Konzept aus.
20.000 Menschen und die noch schwache Frühsommersonne verbreiteten an diesem Abend eine Atmosphäre zwischen Hippietum und Lifestyle, Jugendmesse und Laufsteg. Die SMASHING PUMPKINS sogen die Atmosphäre ein und bereicherten das Ganze um die Kategorien Rockshow und Ereignis der Jahres. Die BILD-Zeitung wollte zu berichten wissen, wo das Trio in Hamburg zu dinieren pflege, und Aussagen wie \"Birgit, 22, Studentin aus Bremen: 'Ich bin hier, weil ich die letzte Platte der SMASHING PUMPKINS liebe und meine Freundin in Hamburg besuchen wollte. Ich bin schon ganz gespannt auf die neuen Songs.'\" bereicherten am nächsten Tag den Hamburger Blätterwald. Gespannt sein durfte man. Doch anders als vielleicht erwartet, blieb die Eigenständigkeit, die fast sterile Atmosphäre des neuen Albums weitgehend auf der Strecke, gerieten Songs wie \"To Sheila\" mit Hilfe von Gastmusikern an Keyboard, Schlagwerk und Percussion zu konventionellen Rocksongs. Doch dafür bewiesen die SMASHING PUMPKINS, daß sie Performer erster Klasse sind, die es verstehen, ihren Sound dem jeweiligen Anlaß anzupassen. Billy Corgan, natürlich ganz in Schwarz, unterstützte sein imposantes Erscheinungsbild noch durch hohe Absätze, gab sich eher wortkarg, jedoch in höchstem Maße konzentriert, und bedankte sich artig bei der Stadt Hamburg für die Genehmigung des Auftritts. James Iha kommunizierte weniger mit dem Publikum und mehr mit seinem nach jedem Song konsultierten Gitarren-Roadie und schien mit der ganzen Sache nicht viel zu tun zu haben, ein Zufallsgast zu sein. Und D'Arcy, während des gut 100minütigen Auftritts versunken in ihre eigene Welt, war für wenige Minuten die wahrscheinlich schönste Frau der Welt. Umfangen von einem Hauch von Bluse, Lippen und Augen blaßblau geschminkt, auf dem Kopf eine Art silberne Badehaubenkrone, zupfte sie entrückt ihren Baß, arrogant und schüchtern zugleich. Ein beeindruckendes Konzert einer herausragenden Band, das zwischen Steakhaus und Hotelabsteige, vor Stars aus Daily Soaps und zufällig daherkommenden Schaulustigen, \"Gish\"- und \"Mellon Collie\"-Fans, vor Fernsehkameras und Radiomikrophonen zum Ereignis geriet - auch wenn der beste Song des Abends kein eigener, sondern eben \"Transmission\" war!
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