BEWERTEN
 

WANK

»Get A Grip On Yourself«

[Warner]

Text: Autor unbekannt

Früher, so in der siebten Klasse, war Ska eine geradezu stilvolle, Identität stiftende Sache im Vergleich zu anderen pubertären Vorlieben dieses Alters. Die Skaliebhaber innerhalb der Klassengemeinschaft wirkten irgendwie wissend. Wissend um Dinge wie Stil, Eleganz und Teenagerattitüde. Man hatte einen eigenen Tanzstil, man verbrachte Stunden damit, THE SELECTER- oder THE BEAT-T-Shirts in den Einkaufsläden der Metropolen zu finden, man war nicht so negativ wie die Punks, aber irgendwie doch subversiv. Auch wenn man das in dem Alter nur so aus dem Bauch heraus fühlte. Heute, ungefähr zwei Dekaden später, rollt die Skawelle erneut, aber anders. Zumindest wenn man WANK glauben soll.

Ich glaube ihnen nicht nur nicht, weil ich bereits damals, in der siebten Klasse, eher mal distanzierter, mal amüsierter Beobachter der Ska-Crowd war, sondern auch, weil diese Band Ska 1998 mit einer stinkigen Rude-Boy-Haltung mischt, die ihre Musik muskelbepackt wirken lassen soll. Das Cover zeigt Männermassen, die beeindruckt scheinen von Parolen. Und auch WANK liefern Parolen: \"Cold Blood Runs Through my Veins / Old Mud creeps in my Brain ...\" oder \"Kiss Me Deadly Generation X, you're Having Tons of Sex / Play Me, Just Blame me For Everything / I'm Gonna Make It My Way ...\" Ihr Weg ist nicht mein Weg, kann aber Eurer sein, wenn Ihr an Männergemeinschaft, Pogoglückseligkeit und Arbeiterklasse glaubt. Für Frauen scheint im WANK-Kosmos kein Platz. Zu muskulös, zu wenig sexy, zu schwitzig klingt \"Get A Grip On Yourself\". Ich bin zu alt für so was und verbringe meine Zeit lieber mit einer zauberhaften jungen Frau im Stadtpark bei einer Flasche Wein. Bequem, aber wahr.



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