Wursthaarheaven galore, aber na ja, in letzter Konsequenz ...
»SOULFLY, COLD«
[04.06. - Köln, Live Music Hall]
Text: Autor unbekannt
Erste Unmutsbekundungen werden schon im Vorfeld laut, als bekannt wird, daß die eigentlich angekündigten und für viele eindeutigen Zusatzanreiz darstellenden LIMP BIZKIT nicht spielen. Der mit um die DM 30 recht hohe Eintrittspreis bleibt (natürlich) trotzdem der gleiche - eine Band mehr oder weniger, was soll's!? Eigenartig gedrückte Stimmung in und vor der leidlich gefüllten Halle, als der Opener COLD beginnt, sein unausgereiftes Set zu präsentieren. Hier zeigt sich eine große Kluft zwischen dem Anspruch des eindeutig als Mastermind zu erkennenden Frontmanns und dem Rest der Band: Während Erstgenannter, offensichtlich vom Leben gezeichnet und kaum in der Lage, sich außerhalb seiner Stücke zu artikulieren, gleichwohl zur Verarbeitung der eigenen Crux aufs Publikum angewiesen ist, suhlt sich der Rest der Band in wirklich auffallend aufgesetztem Stageacting und macht damit jedes authentische Moment in der Performance des Frontmanns zunichte.
Dann aber, worauf das Publikum gewartet hat: SOULFLY, die neue Band um Max Cavalera (ehemals SEPULTURA), stellt ihr Material erstmals live vor. Das zum Großteil eindeutig aus SEPULTURA-Zeiten stammende Publikum (das brasilianische Nationaltrikot bildet heute Uniform) feiert die ersten Songs des Sets dann auch ordentlich ab. Kein Wunder, denn in für die LMH sehr gutem Sound präsentiert sich hier eine höchst professionell agierende Band. Aushilfsgitarrero Logan (vorher MACHINE HEAD) hat sich optisch (gelbes Trikot, grüngelbe Wursthaare) dem Rest der Band verdammt schnell angepaßt und bildet gemeinsam mit Max eine Gitarrenfront, die sich nicht gewaschen hat. Macht Spaß. \"Eye For An Eye\" bildet natürlich den Opener, wobei FEAR FACTORY-Gesangselch Burton C. Bell, am heutigen Tage zufällig zu Promozwecken in Kölle, den Part des zweiten Sängers übernimmt. Im Verlaufe des ersten Teils werden die Hits des neuen Albums gebrettert, bei \"Bleed\", der ersten Single, übernimmt Bassist Marcello den Rap-Part, den Fred Durst von LIMP BIZKIT auf Platte intonierte. Zwischendurch gibt's NAILBOMB-Stoff und gegen Ende wohl noch - man weiß, was man dem Fußvolk schuldet - das Sahnehäubchen SEPULTURA obendrauf. Da bin ich aber schon nicht mehr dabei. Nach 45 Minuten dieser sehr professionellen, aber nicht sonderlich emotionalen Performance habe ich für heute genug gesehen. Vielleicht liegt es ja an mir. Zu alt für Heavy Metal, der es in letzter Konsequenz eben doch bleibt? Vielleicht. Am Tag davor jedenfalls gaben mir wesentlich undeutlicher einzuordnende Bands Marke BREACH und SUICIDAL TENDENCIES eindeutig mehr. Hm. Gute Platte, aber komisches Konzert.
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Diese User besitzen die Platte
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen




