BEWERTEN
 

Die Verdammten dieser Erde

»FUN'DA'MENTAL«

[11.05. - Hamburg, Docks]

Text: Autor unbekannt

Vielleicht lag es am miesen Sound oder am mangelnden Interesse (30 Gäste gehen in den riesigen Docks schnell unter ...), wahrscheinlich aber eher an der Radikalität der Ausdrucksformen, daß FUN'DA'MENTAL zumindest live mehr an die 70er-Industrialschocker THROBBING GRISTLE erinnern als an Polit-HipHop wie PUBLIC ENEMY oder CONSOLIDATED. Es gibt keine Kompromisse an Hörgewohnheiten oder Publikumserwartungen, deshalb auch kaum Songs von \"Seize The Time\", statt dessen baut die mit Tablas, Didge, Baß und einem mir unbekannten indischen Instrument verstärkte Live-Version der Agitproper Fragmente von \"Erotic Terrorism\" zu einer Performance zusammen, zu der Frantz Fanon das Drehbuch geschrieben haben könnte; einziges Ziel: die Anklage des westlichen Rassismus' und Kolonialismus'.

Dazu wird auch auf die MARLEYsche \"War\"-Adaption von H.I.M. Selassie I's Rede 1968 in Kalifornien zurückgegriffen, bei der sich der Sänger symbolisch erhängt. Krasser Schnitt: Ein ca. 45jähriger Musiker intoniert mit Gesang und dem erwähnten Instrument eine Lobpreisung Allahs. Noch ein Schnitt: Stakkatobeats und -loops, ein Aufschrei der Unterdrückten, der Keyboarder schlägt sich immer wieder auf den Schädel. Schließlich der Anfangssample von \"Dog Tribe\", primitive Drohgebärden eines rassistischen Arschlochs, zu dem FUN'DA'MENTAL ein Statement zum Wahlerfolg der DVU in Sachsen-Anhalt rüberbringen, bevor quasi als \"Enough Is Enough\"-Manifest der Track mit unglaublicher Aggressivität und Intensität kommt und allen gezeigt wird, daß sie es verdammt ernst meinen. I'm not afraid to die, \"gee\".



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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