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»JANSEN«
[01.06. - Krefeld, Madame Kokett]
Text: Autor unbekannt
In Usbekistan kostet ein Mikrophon nur 35 Pfennig, weshalb der Reisende das Teil mitbrachte und in sein eher sparsames Bühnenequipment integrierte. Diese und andere kleine Zwischendurchstories, mit Hörbeispielen, umrahmten einen außergewöhnlichen Auftritt der Gruppe JANSEN, die M. WALKING ON THE WATER-Mastermind Markus Maria Jansen (g, voc) mit Philip Lethen (b), Frank Kaulhausen (dr) und Markus Türk (Tuba, besonders facettenreiches Trompetenspiel!) zu musikalischem Leben erweckte. Und nicht nur die Band selbst stellt in Besetzung, Musikalität und Spontaneität eine Eigenart dar, auch der Ort des Live-Geschehens ist eine ausgiebige Betrachtung wert.
\"Madame Kokett\" ist der Name der kleinen Bar in der Stephanstrasse in Krefeld, Ambiente und Personal sind so echt wie im richtigen Leben: tief wie beim Herrenabend die Dekolletés, rot das Licht über Tischen und Tresen, hübsch vergitterte Séparées mit schweren, zur Seite geschobenen Vorhängen, grüne Sitze, niedrige, verspiegelte Decke - alles zusammen erzeugt eine elegant-verruchte Atmosphäre, die trotzdem den heimeligen Pantoffelkinogeruch nicht ganz unterdrücken kann. Vor dem Auftritt läuft Musik von ROY BLACK, und da, wo Pappa sonst nur inkognito sein Herrengedeck trinkt, sitzen heute Paare und musikinteressierte Einzelne. Musiker und Publikum stehen/sitzen sich Auge in Auge gegenüber, da bleiben keine Falte und kein Gedanke verborgen. Eine Bühne gibt es nicht, nur zwei Quadratmeter freier Raum für Schlagzeug, Verstärker, Mischpult, Mikros und Pedalboard. Hier spielen JANSEN jeweils am ersten Montag des jeweiligen Monats auf, ohne Starattitüden, ohne Glamour, aber mit viel Humor und echtem Kleinkunstherz. In Krefeld ist JANSEN selbst Pfingstmontag kein Allerweltsname, er sorgt für ein gut besuchtes Konzert - wobei mehr als 50 Leute auch bei noch mehr gutem Willen nicht hineinpassen. Sporadisch werden musikalische Gäste eingeladen; heute gibt Lutz Caspers von BLACK MESA den Einpeitscher, spielt vier Titel zur akustischen Gitarre, dann mit JANSEN das T.REX-Stück \"Children Of The Revolution\". Die JANSEN-Nummernrevue beginnt mit der Nonsens-Nummer \"Das Haus Von Charles Wilp\", das von M.M. Jansen genauso vorgetragen wird, wie es wohl verstanden werden soll: etwas verquer, etwas ironisch, zwischen den Tönen etwas andeutend. Der Titel \"Der Gebärdensachverständige\" steht beispielhaft für ein Lied mit fröhlicher Grundstimmung, \"Alles Wird Gut\" dagegen ist nachdenklich, ein Lied von Hoffnung angesichts der elendigen Welt.
Die Songs schimmern wie regennasse Straßen, in den Pfützen spiegeln sich die Laternen und die Gesichter der Nachtschwärmer. Beim letzten Stück, \"Himmel\", und bei den Zugaben kam Lutz Caspers noch einmal dazu; das Quintett spielte den BLACK MESA-Titel \"E Te No Ha\". JANSEN, do it again.
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