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DIVERSE

»Rock & Roll«

Text: Autor unbekannt

New Yorks Drum'n'Bass-Homebase \"Liquid Sky\" beschwört die alten Rock-Geister im Namen einer alle Grenzen übersteigenden Neudefinition des Genres. Klingt komisch, erklärt aber vielleicht, warum die Breakbeats aus den Staaten vom Geiste her so anders wirken als die ihrer britischen Kollegen. Denn wenn Labelboss und Szene-Guru Carlos SOUL SLINGER in seiner Definition sowohl jamaikanische Soundsystems, Motown Sound wie auch britischen Drum'n'Bass vom Rock'n'Roll herleitet, klingt das irgendwie wie die Suche nach einer eigenen amerikanischen Tradition, in der es eben um diesen die Szenen antreibenden Spirit geht. Und der zeigt sich bei New Yorker Drum'n'Bass-Producern wie DJ ANI, 1.8.7., YELLOW NOTE, TUBE und natürlich SOUL SLINGER selbst in den rohen, unbehauenen Sounds und brachialen Trackstrukturen, die weniger nach stundenlangem Computer-Tüfteln und der Suche nach dem einen, auf das Wesentliche konzentrierten Beat, sondern nach nächtlichen Mixer-Orgien im \"Concrete Jungle\" klingen.

Konsequenterweise kümmert es hier niemanden, ob oder wie sehr die hier zusammengestellten Tracks dem produktionsmäßigen Vorsprung ihrer europäischen Kollegen hinterherkommen. Dafür kommt gleich beim Opener von SOUL SLINGER eine gniedelige Surf-Gitarre mit in die Tüte. Der HipHop-Einfluß - etwa die Blaxploitation-Phantasien von 1.8.7.s \"The Return Of Shaft\" oder DJ WALLYs \"Rollin' Ballz\" - sticht hier deutlich hervor, und auch sonst arbeiten die New Yorker Beatbastler noch ohne äußere Vorgaben, was das Ganze wesentlich unperfekter, dafür aber um so frischer als die Kollegen von der Insel klingen läßt. Auf der zweiten der beiden CDs finden sich die eher atmosphärischen Illbient-Tracks, allen voran \"Ojhala\" von WE und drei Stücke der AMERICAN SPACE TRAVELERS.
Ebenfalls aus dem Stall von \"Liquid Sky\" stammt Frank Heiss, der durch seine Arbeiten mit AIR LIQUIDE, der Kölner \"Liquid Sky\"-Posse (jetzt die Kneipe, nicht das Label) und seinem Projekt HEARNOW auf \"Harvest\" über beste Kontakte nach Deutschland verfügt. Sein erster Langspieler als TUBE schickt sich an, den nordamerikanischen Kontinent mit völlig durchgeknallten Drum'n'Bass-Tunes zu versorgen. Denn TUBE beherrscht das Spiel mit finsteren Bässen, knatterigen Beats und komischen Acid-Loops dazu ganz hervorragend. Das Ganze klingt so fremdartig wie nur irgendwas und kann sich in keinem Moment wirklich aufrichtig auf irgendwelche Traditionen berufen. Drum'n'Bass ohne Regeln, dafür aber drei, vier extraterrestrische Besucher mehr. Sehr heiter.



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